APA/APA/Courtesy G. Castelli/Iris Ranzinger/Iris Ranzinger

Kunsthalle Karlsplatz: "Hänsel und Gretel" meets Harlekine

12. Feb. 2026 · Lesedauer 3 min

Karomuster, Puffärmel und Rüschen sind die modischen Accessoires, die ab Freitag in der Wiener Kunsthalle am Karlsplatz den Ton angeben. Die kleine Schwester des MQ-Ausstellungshauses zeigt mit "Sweet Baby Motel" die erste Schau von Cuglielmo Castelli. Der gebürtige Turiner, Jahrgang 1987, bevölkert seine Gemälde gerne mit Harlekin-artigen Figuren, die er hier auf einer extra für Wien gemalten Wand auf Hänsel und Gretel treffen lässt.

Kuratorin Sarah Crowe sprach am Donnerstag bei einem Pressetermin von einer Präsentation, in der es bedrohlich und gemütlich zugleich zugehe, die in eine in sich geschlossene Welt entführe und sehr theatralisch sei. Kein Zufall, denn Castelli ist ausgebildeter Bühnenbildner. Für sein Wiener Gastspiel - eine Kooperation mit dem Castello di Rivoli Museo d'Arte Contemporanea - hat er sieben Ölgemälde mitgebracht. Im Zentrum steht jeweils eine der u.a. für die Commedia dell'Arte charakteristischen Narrenfiguren, die der Künstler in erdfarbenen Settings rätselhaft schweben, sich verrenken oder sich in Scheren verwandeln lässt.

Gehängt sind die Werke auf einer 22 Meter langen Wand, die Castelli in den vergangenen zwei Wochen bemalt hat, wie Crowe erzählte. In vorwiegend grauen und olivgrünen Farbtönen spielt darauf das "Hänsel und Gretel"-Motiv eine zentrale Rolle, wobei die beiden Hauptprotagonisten links und rechts eines kopfstehenden, auf einer Poledance-Stange aufgespießten Lebkuchenhauses hingebreitet sind. So kindlich wie bedrohlich sind einige der in die Szenerie eingestreuten Details - von Gebissen bis zur Spitzhacke. Immerhin beinhalte die Geschichte sehr viel Gewalt, erklärte der anwesende Künstler. Hänsel und Gretel würden nur überleben, indem sie töten - in dem Fall die Hexe.

Wer will, kann auch Wien-Bezüge aus der Schau herauslesen: In einem Gemälde sieht man im Hintergrund Bruegels "Jäger im Schnee" an der Wand hängen - im Original im unweit entfernt gelegenen Kunsthistorischen Museum zu bewundern. In einem anderen Bild erinnern die patchworkartigen Häuserfassaden an die Architektur Hundertwassers.

Ergänzt wird die kleine Schau von zehn Skulpturen aus geschnittenem Papier, die hinter Glasvitrinen auf Miniaturtische drapiert sind und motivisch mit der gegenüberliegenden Gemäldewand korrespondieren. Außerdem gibt Castelli erstmals Einblicke ins "Privateste", wie er sagte. Gemeint sind damit Studien zu Figuren, Notizen oder Gedichtauszüge, die u.a. in Notizbüchern festgehalten und ebenfalls ausgestellt werden.

(S E R V I C E - "Guglielmo Castelli: Sweet Baby Motel" in der Kunsthalle am Karlsplatz, bis 12. April 2026, dreisprachige Publikation zur Ausstellung ab März erhältlich, https://kunsthallewien.at/ )

Zusammenfassung
  • Die Kunsthalle am Karlsplatz zeigt ab Freitag die erste Einzelausstellung von Cuglielmo Castelli mit sieben Ölgemälden und einer 22 Meter langen Wandmalerei, die das Märchen 'Hänsel und Gretel' mit Harlekin-artigen Figuren verbindet.
  • Die Ausstellung läuft bis 12. April 2026, wird durch zehn Papierskulpturen und private Skizzen ergänzt und bietet Wien-Bezüge wie Bruegels 'Jäger im Schnee' oder Hundertwasser-Architektur; eine dreisprachige Publikation erscheint ab März.