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Kulturhauptstadt bietet arrivierten Künstlerinnen eine Bühne

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Seit dem die Region Salzkammergut mit der Flaggschiffstadt Bad Ischl zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024 erkoren wurde, knirscht es immer wieder im Getriebe der 23 Gemeinden in Oberösterreich und der Steiermark. Für Intendantin Elisabeth Schweeger gehören diese Widerständigkeiten und Streitgespräche jedoch zum wertvollen Prozess, wie sie am Montag bei einer Präsentation von Salzkammergut 2024 in Wien unterstrich: "Ich finde, die Zusammenarbeit ist konstruktiv."

So könne der Mikrokosmos Salzkammergut doch als demokratisches Modell dienen: "Man muss sich an den Unterschieden reiben und trotzdem zusammenkommen - und das hat meiner Ansicht nach auch Vorbildwirkung für Europa", unterstrich Schweeger: "Mit Kunst kannst Du wirklich einen demokratischen Staat machen." In jedem Falle sei das Unterfangen, das man mit Salzkammergut 2024 angehe, enorm, wolle man doch letztlich unter Beweis stellen: "Der ländliche Raum ist mindestens so interessant wie der urbane Raum." Und hinter diesem Ziel stünden die Menschen in der Region ebenso wie die Träger aus Politik und Wirtschaft: "Sie ziehen alle mit uns an einem Strang."

Dafür sind bereits gut 180 Projekte fixiert, die sukzessive vorgestellt werden, wobei das einjährige Kulturhauptstadtprojekt sich das Motto "Kultur ist das neue Salz" gegeben hat. Im Kern stehen vier Programmlinien - "Sharing Salzkammergut - Die Kunst des Reisens", "Globallokal - Building the New"sowie "Macht und Tradition" und "Kultur im Fluss".

Für die Sparte der Bildenden Kunst zeichnet Petra Zechmeister verantwortlich, die bei den Vorhaben nicht zuletzt auf die arrivierten Künstlerinnen des Landes setzt. VALIE EXPORT etwa erschafft eine multimediale Videoarbeit zu Schreibtischtätern des Krieges für die einstige Post in Bad Ischl. Starfotografin Elfie Semotan hat für "Powerplay" in Gmunden die 23 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der betroffenen Region abgelichtet.

Eva Schlegel arbeitet an einem Augmented-Reality-Projekt, für das sie mit Kooperationspartnern unter anderem den Toplitzsee oder die Kaiservilla in den Fokus nimmt. "Wir werden uns über die ganze Region ausbreiten", unterstrich Schlegel am Montag. Und der 2013 verstorbenen Künstlerin Ceija Stojka wird mit "vertrieben ausgegrenzt" im Museum Ebensee eine Personale gewidmet. Ella Raidel, Bad Ischlerin mit Wahlwohnsitz Asien, arbeitet an einem immersiven, audiovisuellen Erlebnis im Zug nach Tauplitz, das mittels App abgerufen werden kann: "Ich sehe das Ganze als ein Labor der Zukunft an."

Die Bereiche Baukultur und Handwerk stehen indes unter der Ägide von Eva Mair. Ein nicht geringer Teil der Projekte ist hier in Hallstatt verortet, wo sich Hypertourismus und die Abwanderung der Jugend exemplarisch abhandeln ließen. Geplant ist ein Zukunftslabor unter dem Titel "Über Tourismus" in Zusammenarbeit mit dem Architekturzentrum Wien, während man sich in Kooperation mit der TU dem Bodenschutz und Flächenverbrauch widmet.

Ein internationales Symposium zum Thema unter der Überschrift "Interventa" organisieren Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs und Sabine Kienzer. "Baukultur ist divers, das Symposium ist divers", rief Kienzer dabei als Stoßrichtung aus, die sich zwischen Klischee, Image und Übertourismus bewege. Und mit einem Kompendium an Plattformen und humorvollen Projekten will die aus Gmunden stammende Künstlerin Simone Barlian Grundlagen für Diskussionen liefern - darunter mit einer schwimmenden Sauna. Diese könne nicht zuletzt das demokratische Miteinander befeuern. "Wir wollen auch den Gemeinderat in der Sauna sitzen sehen." Und damit wäre dann ja auch potenziell der Kreis zum produktiven Streitgespräch geschlossen.

(S E R V I C E - www.salzkammergut-2024.at)

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  • Seit dem die Region Salzkammergut mit der Flaggschiffstadt Bad Ischl zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024 erkoren wurde, knirscht es immer wieder im Getriebe der 23 Gemeinden in Oberösterreich und der Steiermark. Für Intendantin Elisabeth Schweeger gehören diese Widerständigkeiten und Streitgespräche jedoch zum wertvollen Prozess, wie sie am Montag bei einer Präsentation von Salzkammergut 2024 in Wien unterstrich: "Ich finde, die Zusammenarbeit ist konstruktiv."

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