APA - Austria Presse Agentur

Künstlerin Marie-Therese Escribano wird 95

19. März 2021 · Lesedauer 3 min

Marie-Thérèse Escribano hatte schon eine echt-europäische Biografie, als dies noch alles andere als gang und gäbe war: In Paris geboren, in Madrid aufgewachsen, in Brüssel studiert und seit Jahrzehnten in Wien lebend. Und dabei war doch immer die Bühne in all ihren Ausprägungen das wahre Zuhause der Künstlerin, die am heutigen Freitag ihren 95. Geburtstag feiert. Escribano hat sich dabei nie einschränken lassen - nicht von Landes- noch von Genregrenzen.

Nach Studien an der Madrider Musikhochschule setzte sie diese in Brüssel fort, wo sie eines Abends ein Gastspiel des damaligen Staatsopernensembles mit Größen wie Elisabeth Schwarzkopf, Irmgard Seefried oder Anton Dermota hörte. "Ich habe diese berühmten Sänger gehört und war fasziniert. Ich habe mir gedacht, das ist genau das, was ich lernen will, und nachdem meine Mutter gestorben ist, bin ich nach Wien gegangen", erinnerte sich Escribano einst im APA-Gespräch an ihren Gang nach Wien 1955 - eine Stadt, die sie, für viele heute überraschend, multikulturell wahrnahm: "Es gab ganz verschiedene Nationalitäten und noch keine große Ausländerfeindlichkeit - das hat mir gut gefallen."

Und so blieb sie, wurde an der damaligen Akademie für Musik und darstellende Kunst aufgenommen und entdeckte ihre Vorliebe für moderne avantgardistische Musik. 1959 sang Escribano im Ensemble die reihe rund um Friedrich Cerha die "Improvisations sur Mallarmé" von Pierre Boulez im Konzerthaus und konnte überzeugen. Auch gab die Sängerin europaweit Konzerte unter Größen wie Lorin Maazel oder Mauricio Kagel mit Werken der Avantgarde.

Bei der Neuen Musik blieb die Künstlerin allerdings nicht stehen. Einige Jahre später traf sie auf Klaus und Michel Walter, die sich mit Alter Musik beschäftigten. Als die beiden der Sängerin mittelalterliche Instrumente vorführten, war sie begeistert. Zusammen gründete man das Ensemble Les Menestrels.

Mitte der 70er stellte Escribano dann erneut ihre Vielschichtigkeit unter Beweis und wechselte ins Theatermilieu. "Es ist ein großes Glück, wenn die inneren Schichten der Zwiebel so laut schreien, dass sie hörbar werden", erinnert sich die Jubilarin in ihrer Vita unter Bezug auf das Zwiebelgleichnis aus "Peer Gynt" an die Motivation für diesen Umbruch.

Seit dieser Zeit verlegte sie sich zunehmend auf das, was sie selbst "kleine Stücke" nennt. Die Bezeichnung der Kabarettistin lehnt sie ab. "Heutzutage lernen einige Kabarettisten die Texte von jemand anderem auswendig und sind eigentlich Rezitatoren. Ich bin stolz auf meine Programme, denn es sind immer meine eigenen Texte." Zugleich waren diese Auftritte stets geprägt von großer Spontanität.

So finden sich im Oeuvre der Kleinkünstlerin Programme wie "Kommt mir spanisch vor", "Umso älter desto ich" oder "90:90", als sie in 90 Minuten zu ihrem 90. Geburtstag ihr Leben revuepassieren ließ. Ernste Themen wie Altersdiskriminierung oder die Unterdrückung der Frau prägten dabei stets die Texte.

Dabei beschränkte sich das Engagement der Trägerin des Silberne Ehrenzeichens der Stadt Wien nie nur auf das Scheinwerferlicht, sondern umfasste auch den Platz hinter der Bühne, gab Escribano doch als ausgebildete Sängerin lange Jahre Workshops sowie Sing- und Sprachunterricht. Dabei lehnte sie selbst den Begriff "Stimmbildung" als zu sehr an Dressur gemahnend ab und erfand ihre Methode der "Stimmbefreiung" - ein Begriff, der hervorragend zum Leben von Marie-Thérèse Escribano passt.

(S E R V I C E - www.escribano.at)

Quelle: Agenturen