APA/APA/Schauspielhaus Graz/Lex Karelly

"Hospital der Geister" mit viel Freude am Grusel aufgeführt

21. Jan. 2023 · Lesedauer 4 min

Eine Fernsehserie an einem Abend auf die Bühne zu bringen ist noch schräger als einen Roman dorthin zu hieven - im Grazer Schauspielhaus ist das Projekt, Lars von Triers "Hospital der Geister" zu zeigen, mit viel Freude am Grusel, düsterer Ästhetik und einer ordentlichen Portion schwarzem Humor umgesetzt worden. Regisseur Jan-Christoph Gockel und das ambitionierte Ensemble boten einen abwechslungsreiche Aufführung, die am Freitagabend Premiere hatte.

Die Mini-Fernsehserie "Hospital der Geister" (im Original "Riget") wurde von Lars von Trier und Niels Vørsel für das dänische Fernsehen konzipiert. Es ist eine wilde Geschichte um ein Krankenhaus, das auf sumpfigem Grund mit giftigen Dämpfen von Bleichmittel gebaut ist. Dort geben sich die Untoten ein Stelldichein mit dem skurrilen Personal und den Patienten, die mitunter auch etwas eigenwillig erscheinen. Horrorelemente vermischen sich mit Krimiversatzstücken und werden mit oft galligem Humor garniert. Eine spiritistische Patientin lässt sich immer wieder einweisen, weil sie der Geschichte eines 1919 verstorbenen Mädchens auf der Spur ist, ein Chefarzt versucht mit Arroganz und Herablassung seinen Kunstfehler zu verbergen, ein Arzt ist hinter einer Kollegin her, die ein Monster gebiert - und das Ganze in vorwiegend düsteren Räumen, wobei das Theater auch außerhalb der Bühne (Julia Kurzweg) dank Video weidlich ausgenützt wird.

Da geht es in den Keller, durch "unheimliche" Gänge und sogar in die Kantine, wobei hier die Videoumsetzungen die Illusion von Fernsehen erzeugen, der ganze Aufwand also endlich einmal wirklich gerechtfertigt ist. Jan-Christoph Gockel eröffnete mit seiner "Merlin"-Inszenierung die Saison 2015 und stand damit am Beginn der Intendanz von Iris Laufenberg, die heuer im Sommer endet. Mit seiner aktuellen Arbeit schließt sich damit der Kreis, gleichzeitig werden Erinnerungen an die Tankred Dorst-Premiere wach. Wieder spielen Puppen eine Rolle, wobei hier ganz besonders das Geistermädchen für adäquate Stimmung sorgt.

Die Inszenierung verbreitet den angenehm-heiteren Schauer einer Halloween-Party für Kinder, aber mit einem Film zu konkurrieren ist auf der Bühne nicht möglich. Womit diese Arbeit aber eindeutig punkten kann, sind die Mitwirkenden: Als Patientin und Medium verströmt die taube und blinde Tanja Hameter eine fast unheimliche Kraft, man glaubt ihr beinahe, dass sie wirklich Geister sieht. Beatrice Frey (Sigrid Drusse) huscht herum und bleibt beharrlich neugierig, bis sie erreicht, was sie wollte. Überzeugend als arroganter Chefarzt Helmer, dem seine gesamte Belegschaft auf die Nerven geht ist Franz Solar, der von einer Ärztin (gekonnte aufdringlich: Susanne Konstanze Weber) nicht mehr aus den liebevollen Krallen gelassen wird. Florian Köhler gibt den singenden und musizierenden Neurochirurg, der seine privaten Geschäfte mit Krankenhaus Bedarf aller Art treibt, und Andri Schenardi zeichnet einen leicht irren Arzt der unbedingt in sich den größten Lebertumor aller Zeiten züchten will. Mit seiner schlauen Geradlinigkeit sorgt Florian Finsterbusch in mehreren Rollen für Lacher. Oliver Chomik, Alexej Lochmann, Michael Pietsch (von dem auch die Puppen stammen), Lise Birke Balzer, Raphael Muff, Evamaria Salcher, Rudi Widerhofer, Matthias Ohner, Yves Ndgano und Kurt Zalac ergänzen das spielfreudige Ensemble. Ein Abend, der aus dem (Bühnen-)Rahmen fällt und für hervorragende Serienunterhaltung der anderen Art sorgt.

(S E R V I C E - "Das Reich: Hospital der Geister" im Grazer Schauspielhaus nach der Fernsehserie von Lars von Trier und Niels Vørsel. Regie: Jan-Christoph Gockel. Bühne: Julia Kurzweg, Kostüme: Sophie du Vinage, Puppenbau: Michael Pietsch, Musik: Matthias Grübel, Video: Eike Zuleeg. Mit: Tanja Hameter, Claudia Wolf-Straubinger, Beatrice Frey, Alexej Lochmann, Oliver Chomik, Andri Schenardi, Michael Pietsch,Franz Solar, Susanne Konstanze Weber, Florian Köhler, Lisa Birke Balzer, Raphael Muff, Evamaria Salcher, Rudi Widerhofer, Florian Finsterbusch, Matthias Ohner, Yves Ndagano, Kurt Zalac. Weitere Vorstellungen: 25., 27. Jänner, 1., 2. 18., 28. Februar, 2., 10. März 2023. https://schauspielhaus-graz.buehnen-graz.com/)

Quelle: Agenturen