Hardy Krüger

Hardy Krüger mit 93 Jahren gestorben

20. Jan. 2022 · Lesedauer 4 min

Schauspieler und Schriftsteller Hardy Krüger ist im Alter von 93 Jahren am Mittwoch in Kalifornien verstorben.

Eberhard August Franz Ewald Krüger war unter seinem Künstlernamen "Hardy" Krüger einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Schauspieler der 1950er und 60er. Nach Erfolgen in Deutschland startete er auch international durch. Er war einer der wenigen deutschen Schauspieler, denen das gelang. Krüger schaffte den Durchbruch außerhalb Deutschlands in dem britischen Kriegsfilm "Einer kam durch". An der Seite von John Wayne war er in "Hatari!" zu sehen, gemeinsam mit James Stewart und Peter Finch in "Der Flug des Phoenix". Gleichzeitig war Krüger auch Autor und zeigte im Kampf gegen Rechtsextremismus auf. 

Sein Sohn, Hardy Krüger jr., brachte seine Trauer mit bewegenden Worten zum Ausdruck: "Du hältst den Atem an, die Welt bleibt stehen (...). Was bleibt ist Liebe", schrieb er am Donnerstag auf Instagram. "Hier ist nun der letzte Vorhang gefallen auf der Bühne der Welt und die Welt verneigt sich vor dir, Vater!" Das Leben habe ihn reich beschenkt, schrieb er weiter. "Doch was mich wohl am meisten geprägt und inspiriert hat, bist DU! (...) Farewell my loved father ..."

Ehrungen von Oscar bis großem Verdienstkreuz

1963 erhielt das französische Filmdrama "Sonntage mit Sybill" einen Oscar - Krüger spielte darin einen Vietnam-Veteran, der sich die Schuld am Tod eines vietnamesischen Kinds gibt. Der Schauspieler selbst erhielt im Laufe seiner Karriere verschiedene Auszeichnungen, darunter den Bundesfilmpreis und das Große Verdienstkreuz.

Krüger stand mit Stars wie Claudia Cardinale, Sean Connery, Yul Brynner, Charles Aznavour, Cathérine Deneuve und Orson Welles vor der Kamera. Im Fernsehen schuf er als "Weltenbummler" in der gleichnamigen ARD-Reihe einen Klassiker. 

Mit seiner Rollenauswahl schaffte Krüger es, das negative Klischee des "hässlichen Deutschen" auf der Leinwand zu überwinden. Und ihm gelang der Sprung vom ewigen Lausbub mit Strahleaugen aus lockeren Publikumsschlagern wie "Das Mädchen aus der Südsee" (1950) zum ernst zu nehmenden Charakterdarsteller wie in Helmut Käutners moderner "Hamlet"-Version "Der Rest ist Schweigen" (1959). "Ich habe mir eine Karriere aufgebaut, durch die Filme, die ich nicht gemacht habe", sagte er selbst. Er habe sehr sorgfältig ausgewählt, mit welchen Filmemachern er arbeite - "dadurch war ich in der Nähe der besten Regisseure".

Zweite Karriere als Autor

Seinen Memoiren "Wanderjahre" folgten weitere Bücher wie "Zarte Blume Hoffnung", nach langer Pause war er 2011 auch wieder in einem TV-Drama ("Familiengeheimnisse") zu sehen. Dreimal war Krüger verheiratet, seit 1978 mit Anita Krüger. Zwei seiner drei Kinder traten als Schauspieler in seine Fußstapfen.

Krüger selbst engagierte sich unterdessen für ein anderes Projekt: Wenige Tage vor seinem 85. Geburtstag startete er eine Initiative gegen rechte Gewalt. Bei ihm waren es die Schauspieler Hans Söhnker und Albert Florath, die seine Ansichten radikal veränderten. "In einem halben Jahr haben sie es geschafft, aus dem Adolf-Hitler-Schüler einen Anti-Nazi zu machen", sagte er damals bei der Vorstellung des Projektes in Hamburg. Auch in seinem letzten Buch, "Was das Leben sich erlaubt - Mein Deutschland und ich", nimmt er sich des Themas erneut an und erzählt von seinem Aufwachsen in NS-Deutschland.

Am Mittwoch starb Krüger plötzlich und unerwartet in Palm Springs in Kalifornien, wie seine Agentur mit Berufung auf die Witwe bekanntgab. "Seine Herzenswärme, seine Lebensfreude und sein unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn werden ihn unvergessen machen", hieß es weiter.

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete Krüger am Donnerstag als "großartigen Künstler". Mit Hardy Krüger verliere das Land einen großen deutschen Schauspieler, der auf der Bühne genauso zu Hause gewesen sei wie vor der Kamera. "Sein Wirken war von spürbarer Leidenschaft zum Fach, von unvergleichlicher Wandlungsfähigkeit und von beeindruckender Ausdruckskraft geprägt." Zudem habe er als Autor und Weltreisender durch seine Reporten den Menschen andere Kulturen näher gebracht. "Wir werden Hardy Krüger ein bleibendes Andenken bewahren", schrieb Steinmeier weiter.

Marianne LamplQuelle: Agenturen / Redaktion / lam