APA/Johannes Stoll / Belvedere,Wien

"Grotto": Belvedere 21 zeigt Stanislava Kovalcikova

15. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Es sind verunsichernde und irritierende Bilder, die ab morgen im Untergeschoß des Belvedere 21 auf Betrachter warten. Sie zeigen Figuren, die wirken, als wären sie realen Zusammenhängen entnommen und in neue, geheimnisvolle Kontexte gestellt. Der Titel, den Stanislava Kovalcikova für ihre erste Ausstellung in Österreich gewählt hat, hat allerdings einen ganz konkreten Bezug: "Grotto" ist angelehnt an die künstliche Grotte in der Villa von "Playboy"-Herausgeber Hugh Hefner.

"In Los Angeles wollte ich diesen Raum besichtigen, leider ging das nicht, da die Villa von einem Immobilien-Investor gekauft wurde", erzählt die 1988 in der Tschechoslowakei geborene und in Köln lebende Künstlerin im Gespräch mit der APA. Alte "Playboy"-Hefte seien wichtiger Teil eines Bildarchives, das sie angelegt habe und das ihre künstlerische Fantasie anrege, auch wenn sie nur selten wirklich darauf zurückgreife. Für sie sei Hefners Party-Grotte "ein sehr trauriger Ort", der von Traumatisierungen, Missbrauch und Ohnmachtsgefühlen erzähle - exemplarisch für jene "menschliche Database" ungewöhnlicher Orte und Situationen, die sie in ihren über lange Zeiträume entstehenden Bildern "in einer Art Exorzismus" zu bannen suche.

Stanislava Kovalcikova hat an der Kunstakademie Düsseldorf bei Tomma Abts und Peter Doig studiert. In ihren Arbeiten sieht sie "eine sehr starke sozialkritische Komponente", ohne direkt politisch sein zu wollen. "Viele politische Künstler sollten besser Politik als Kunst machen." Ein größeres Bewusstsein für Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten in der Gegenwart begrüßt sie, "über die Vergangenheit zu richten", hält sie allerdings für problematisch.

17 Bilder sind in der bis 5. Februar 2023 laufenden Ausstellung zu sehen, bei der an den Fenstern angebrachte orangefarbene Folien eine zusätzliche Künstlichkeit vermitteln. Kuratiert wurde die Präsentation von Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig. Sie habe Kovalcikovas Arbeiten zunächst online entdeckt und die Künstlerin später in ihrem Atelier in Düsseldorf besucht, schildert sie. Dabei hätten sie die Bilder im Original noch mehr beeindruckt, da auch ihre Materialität vielschichtig und die eingesetzte Maltechnik interessant sei. Es vermittle sich gut, dass die Künstlerin lange und sorgfältig an den einzelnen Bildern arbeite und sich auch profund mit der Kunstgeschichte auseinandersetze.

Gleichzeitig sei das auf ihnen Dargestellte in höchstem Maß beunruhigend. "Man weiß nie, wie die Personen zueinander stehen." Die beiden Frauen im Gemälde "Double Venus" könnten etwa Schwestern, Freundinnen oder auch ein lesbisches Paar sein. Auch der jeweilige Kontext sei selten klar. In "Die gute Hirtin" hätten die Figuren "ein merkwürdiges Lächeln, obwohl der Hintergrund in Flammen steht".

Wie sich Stanislava Kovalcikova in den Gesamtkontext des Belvedere-Programms einfügt, ist für die Museumschefin klar. Drei Punkte führt sie an: "Es ist die immer wieder präsente Frage nach der Entwicklung der Malerei, die hier aufgeworfen wird. Dann verfolgen wir mit ihr auch unseren Fokus auf Mittel- und Osteuropa weiter. Und schließlich verkörpert sie nahezu ideal unser Motto 'A museum that matters'. In ihrer Malerei sind alle Themen, die uns bewegen, präsent - von Fluchtbewegungen bis Identitätsfragen und von der Geschlechterfluidität bis zur Klimakrise."

(S E R V I C E - "Stanislava Kovalcikova: Grotto", Ausstellung im Belvedere 21, Wien 3, Arsenalstraße 1, 16. September 2022 bis 5. Februar 2023, Dienstag bis Sonntag: 11 bis 18 Uhr. Donnerstag: 11 bis 21 Uhr. Katalog im Verlag der Buchhandlung Walther & Franz König, 128 Seiten, ca. 80 Abbildungen, 29,90 Euro ISBN 978-3-903327-38-2. Artist Talk mit Stanislava Kovalcikova und Stella Rollig: Freitag, 16. 9, 16 Uhr. www.belvedere.at)

Quelle: Agenturen