APA - Austria Presse Agentur

Großer Staatspreis an Architekten Ortner & Ortner

Apr 03, 2020 · Lesedauer 3 min

Das Architektenbrüderpaar Laurids und Manfred Ortner - Erbauer des Wiener Museumsquartiers - ist am Freitag mit dem Großen Österreichischen Staatspreis 2020 ausgezeichnet worden. Die mit 30.000 Euro dotierte Würdigung ist die höchste Auszeichnung der Republik für ein künstlerisch herausragendes Lebenswerk. Sie erfolgt auf den Vorschlag des 21-köpfigen Österreichischen Kunstsenats.

Die beiden aus Linz stammenden Architekten Laurids (78) und Manfred (76) Ortner sind heute vor allem für ihre Neugestaltung des Areals des heutigen Museumsquartiers (MQ) bekannt. 1990 gewannen sie den Architekturwettbewerb für die seit der Eröffnung 2001 zu den größten Kunst- und Kulturzentren weltweit zählende Anlage. Sie konzipierten hierfür das mumok - Museum moderner Kunst, die Kunsthalle Wien und nicht zuletzt das Leopold Museum, auf dessen Dach nach ihren Planungen derzeit mit der "Libelle" gerade ein neues MQ-Element entsteht.

Die beiden Brüder kooperieren bereits seit langem, war man doch nach dem Studium bereits von 1971 bis 1987 gemeinsam im Atelier Haus-Rucker-Co in Düsseldorf mit Günter Zamp Kelp tätig, bevor man 1987 gemeinsam das Architekturbüro Ortner & Ortner Baukunst in Düsseldorf ins Leben rief. Alsbald entstanden Ableger in Wien, aber auch in Berlin und Köln.

Entsprechend breit aufgestellt ist denn auch das Oeuvre der beiden Baukünstler im deutschsprachigen Raum. In Dresden zeichnete man für die Sächsische Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek verantwortlich, für Zürich schuf man das Schiffbau - Theater und Kulturzentrum und im Duisburger Hafen mit dem Landesarchiv Nordrhein-Westfalen das größte Archivgebäude Deutschlands. Daneben etablierte sich Ortner & Ortner aber auch im scheinbar profanen Bürobausektor, wo man markante Bauten wie das Berliner ARD Hauptstadtstudio oder den City Tower Wien schuf.

"Ortner & Ortner Baukunst steht für eine Architektur, die - ohne Anbiederung - mit der Stadt, mit der historischen Substanz kommuniziert und auf ideologische Einschreibungen und Umbruchsituationen reagiert", begründete der Kunstsenat seine Wahl: "Die Fassaden aus z. B. Ziegel, Backstein oder Basalt und deren differenzierte Texturen sind ebenso immer neu gewählte Antworten auf den jeweiligen Ort."

Auch Kunst- und Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) lobte in ihrer Aussendung diese verbindende Arbeit der beiden Architekten: "Es gehört zu den besonderen Leistungen von Laurids und Manfred Ortner, dass sie es meisterhaft verstanden haben, architektonische Utopien synkretisch mit dem baulichen Erbe zu verbinden. [...] Sie erfanden eine architektonische Sprache des radikalen Antiradikalismus."

Der Kunstsenat nominiert jährlich eine Künstlerpersönlichkeit aus den Bereichen Architektur, Bildende Kunst, Literatur oder Musik ohne festgelegtes Rotationsprinzip für den Staatspreis. In der Sparte Architektur ging dieser Preis zuletzt 2015 an Elke Delugan-Meissl und Roman Delugan.

Quelle: Agenturen