Gernot Kranner sperrt in Wieden die Freie Bühne Wien auf
"Die Kleinen müssen sparen und sperren zu", bedauert Kranner die aktuelle budgetäre Situation im Kulturbereich. "Mir blutet wegen der Kammeroper das Herz. Wo sollen die jungen Leute, die zeigen wollen, was sie draufhaben, denn hin?" Die Antwort liefert er selbst: "Bei uns können sie beweisen, was in ihnen steckt!", so der 63-Jährige, der die Spielstätte von Michaela Ehrenstein mit Anfang des Jahres übernommen hat. Bisher hatte es von der Stadt Wien 120.000 Euro Jahressubvention gegeben, für heuer gibt es keine Unterstützung. Kranner hofft, dass die öffentliche Hand künftig wieder einsteigt. Von privaten Spendern habe er 3.500 Euro erhalten, das entspreche in etwa den monatlichen Kosten für die Miete des im ersten Stock gelegenen Theaters. "Derzeit zahle ich aus eigener Tasche ordentlich drauf", so der Sänger und Schauspieler über die Herausforderung, den auftretenden Künstlerinnen und Künstlern angemessene Gagen zu zahlen.
Er habe in seinem Leben sehr viel Glück gehabt und sei in seiner Jugend von vielen Menschen gefördert worden. Nun wolle er jungen Menschen die Chance - und einen Ort - bieten, um sich auszuprobieren und zu lernen. Geplant sind u.a. Werkstätten in verschiedenen Kunstsparten, wo der Nachwuchs mit renommierten Kollegen an Texten, Bühnenbildern oder Musik arbeiten könne. Auch Auftragswerke will Kranner vergeben, um Uraufführungen zu ermöglichen.
Den Anfang macht am 27. und 28. Februar ein Gastspiel von Giulia Jahn mit dem Solo "Heute Abend: Lola Blau", am Klavier begleitet wird sie dabei von Marcel Jahn. Genau mit diesem Werk sei die Freie Bühne Wieden vor 50 Jahren eröffnet worden, freute sich Kranner. Am 1. März steht am Vormittag das von Kranner verantwortete Mitsing-Musical "Die Bremer Stadtmusikanten" auf dem Programm (Mitsing-Musicals gibt es künftig jeden Sonntag), am Nachmittag lädt man in der Kantine unter dem Titel "Gott und die Welt" zu einem generationenübergreifenden Miteinander-Reden, bevor am Abend ein Heinz Conrads-Galakonzert über die Bühne geht. Weiters geplant sind u.a. ein Kinder-Workshop "Komm in die Schule der magischen Musical Tiere" am 7. März, "Die Physiker" als Gastspiel des Lessing-Theaters (7. und 14. März) oder ein "Club 4", in dem aktuelle Themen diskutiert werden sollen.
(S E R V I C E - Freie Bühne Wien. Das Theater auf der Wieden, 4., Wiedner Hauptstraße 60b)
Zusammenfassung
- Gernot Kranner hat die traditionsreiche Freie Bühne Wieden übernommen, nennt sie nun Freie Bühne Wien und will sie vor allem für junge Talente öffnen, wobei er derzeit kein Budget und keine städtische Förderung hat.
- Die bisherige Jahressubvention von 120.000 Euro entfällt 2024, sodass Kranner die monatlichen Fixkosten von rund 3.500 Euro aktuell aus eigener Tasche und mit 3.500 Euro privaten Spenden deckt.
- Das Programm startet am 27. und 28. Februar mit dem Gastspiel 'Heute Abend: Lola Blau' und bietet künftig Mitsing-Musicals, Workshops und Diskussionsformate speziell für Nachwuchskünstlerinnen und -künstler.
