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George-Grosz-Museum entsteht in Berliner Tankstelle

01. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Für Werke des Malers, Grafikers und Karikaturisten George Grosz (1893-1959) entsteht ein erstes Museum in Berlin. Eine private Initiative hat das Projekt für den in Berlin geborenen und gestorbenen Künstler vorangetrieben. Das Museum entsteht in einer historischen Tankstelle, die in einem der Problemviertel des Stadtteils Schöneberg liegt. Das Kunstprojekt ist zunächst auf fünf Jahre angelegt. Zur Eröffnung im Mai wird auch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) erwartet.

Hier flossen einst Sprit und Diesel durch dicke Schläuche, hinter dem leicht geschwungenen Dach fällt der Blick durch die breite Fensterfront in den Flachbau. Der einstigen Tankstelle Bauart "Standardtyp der Shell AG von 1956" steht nun eine Zukunft unter großem Künstlernamen bevor. Zusammen mit der alten Werkstattgarage und einem neueren Anbau wird das Gebäude in Berlin derzeit in ein Museum verwandelt.

"Das Museum an diesem Standort ist auch ein Angebot an die Stadt", sagt Juerg Judin. Der Galerist hat die alte Tankstelle vor einigen Jahren gekauft. Er setzte den kleinen Anbau daneben, verwandelte die einstige Zufahrt zu den Zapfsäulen mit Kiefern, Bambus und einem Karpfenbassin in ein Großstadtidyll hinter hoher Mauer.

Lange Jahre hat er hier selbst gewohnt, der Schalterraum war sein Wohnzimmer, die Werkstatt die Küche. Nun zieht er um, gibt die Räume frei für Grosz, stellt die Tankstelle der Initiative zur Verfügung, ist selbst am Umbau für eine sechsstellige Summe beteiligt.

"Das Museum ist eigentlich zu klein, Grosz würde mehr Platz verdienen", sagt Judin. Als Fan des Künstlers - noch in Studienjahren kaufte er in Zürich eine erste Lithographie von Grosz - sieht er das Projekt als Auftakt. "Es ist wie ein Teaser - aber mit höchsten Ansprüchen."

Georg Gross, Sohn eines Gastwirts, variiert schon früh die Schreibweise seines Namens. Die Umbenennung 1916 in George Grosz gilt auch als Protest gegen den Ersten Weltkrieg, zu dem er sich noch als Freiwilliger meldet. Zusammen mit John Heartfield - auch er umbenannt von Helmut Herzfeld - und dessen Bruder Wieland Herzfelde - eigentlich Herzfeld - etabliert Grosz die expressionistische Kunstströmung Dada in Berlin. Die Arbeiten werden zunehmend politisch, was ihm auch viel juristischen Ärger einbringt. Noch bevor die Nazis ihn verhaften können, emigriert er 1933 in die USA. Erst kurz vor seinem Tod 1956 kehrt er nach Berlin zurück.

Eines seiner Hauptwerke, die "Stützen der Gesellschaft" von 1926, zählt zu den Highlights der Sammlung der Neuen Nationalgalerie nur wenige hundert Meter vom neuen Museum entfernt. Das kleine Grosz-Museum wird betreut von einem Kuratoren-Team, zu dem auch der Kunsthistoriker Pay Matthis Karstens gehört. "Die Sterne sind gut zusammengekommen für dieses Haus", sagt Karstens. "Das Museum verfügt zwar über keine eigene Sammlung, kann für die Ausstellungen aber auf den Nachlass des Künstlers und zugeneigte Privatsammlungen zählen."

Hinzu komme die Expertise und Vernetzung von Ralph Jentsch, dem Verwalter des Nachlasses. "Gemeinsam planen wir zwei Sonderausstellungen pro Jahr und wollen mit dem Frühwerk beginnen", sagt Karstens. "Dann zeigen wir Gross vor Grosz." Die Werkstatt der einstigen Tankstelle ist dann Museumseingang, im früheren Schalterraum wird das Café eingerichtet - mit Blick durch große Fenster auf Karpfen im Bassin und Grosz im Anbau.

(S E R V I C E - www.george-grosz-museum.com)

Quelle: Agenturen