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Galleria dell ́Accademia in Florenz strahlt in neuem Glanz

10. Okt. 2022 · Lesedauer 4 min

Die Galleria dell'Accademia in Florenz, die weltweit für Michelangelos David-Skulptur bekannt ist und zu den meistbesuchten Museen Italiens zählt, öffnet nach einer zweijährigen Renovierungszeit wieder ihre Sammlung von Gipsmodellen des Künstlers Lorenzo Bartolini (1777-1850). Es ist der letzte Schritt einer tiefgreifenden Erneuerungsphase des Florentiner Museums, das die größte Sammlung von Skulpturen Michelangelos besitzt.

"Wir haben eine Herkulesaufgabe geschafft, die 2015 begonnen hat, nachdem das Museum seine Autonomie erlangt hat", bilanziert die deutsche Museumsdirektorin Cecilie Hollberg im Gespräch mit der APA. Die Wiedereröffnung der Sammlung mit 400 Gipsmodellen sei der letzte Baustein eines tiefgreifenden Renovierungsprozesses, dem die Galleria dell'Accademia in Florenz unterzogen worden ist. "Wir haben vom Dach bis zum Untergeschoss alles durchsaniert und durchrenoviert und dies trotz Pandemie und Lockdown. Wir haben immer nur montags und in den Nacht- und Morgenstunden gearbeitet, um das Museum offen halten zu können. Jetzt haben wir eine echte Schatztruhe, die wir dem Publikum stolz präsentieren können", freut sich die Museumsdirektorin.

Im ganzen Museum, das sich auf circa 4.000 Quadratmeter erstreckt, wurden Klimaanlagen und LED-Beleuchtungssysteme installiert. "Das Museum hat hohe Energieeffizienz mit Anlagen der neuesten Generation erreicht. Michelangelos David hat eine neue Beleuchtung erhalten, die die Oberfläche besonders hervorhebt. Das neue Beleuchtungssystem ist in der Lage, das Tageslicht nachzuahmen und ermöglicht eine innovative Sichtweise der Gemäldesammlung. Die Farben besitzen eine lebendige Strahlkraft. Experten sagen, es sei, als hätte man diese Werke bisher noch nie wirklich gesehen. Man merkt, wie wesentlich die Beleuchtung ist", betont die niedersächsische Kunstexpertin.

Die Galleria dell ́Accademia ist zwar hauptsächlich für das David-Meisterwerk bekannt, hat aber noch so viel mehr zu bieten. "Der David ist natürlich ein Publikumsmagnet, wir haben aber auch so viele wunderbare Werke von Malern wie Botticelli, Perugino und Ghirlandaio. Nach der Renovierung des Museums fluten die Besucher nicht nur zum David und laufen wieder davon, sondern interessieren sich auch für die anderen Werke, die in schönstem Licht erstrahlen", erklärt Hollberg.

Die Galleria dell ́Accademia zählt mit täglich rund 6.500 Besuchern zu den meistbesuchten Museen in Italien. Nach der Renovierungsphase hegt man weitere große Projekte. Neben der Veröffentlichung einiger Publikationen ist im November 2023 eine Ausstellung zu Ehren des Florentiner Malers Pierfrancesco Foschi (1502-1567) geplant. "Es handelt sich um die erste monografische Ausstellung zu Foschi in Europa. Sie ist ein Anlass, um viele Werke dieses noch nicht sehr bekannten, aber bedeutenden Malers, die sich derzeit in Kirchen oder Lagern befinden, wieder zu zeigen und aufzuwerten", betont Hollberg.

Die Kunstexpertin zählt zu den ausländischen Museumsdirektoren, die vom italienischen Kulturministerium Ende 2015 eingesetzt wurden, um die Autonomie in den staatlichen Museen voranzutreiben. In Florenz fühlt sich Hollberg sehr wohl. "Ich bin die einzige ausländische Frau, die im Zuge der Reform eingestellt wurde und bin sowohl dienstlich als auch im privaten Umfeld sehr gut aufgenommen worden. Da wir eine Reform umsetzen mussten, haben wir Strukturen aufgebaut und dies bei chronischem Personalmangel, der im Laufe der Jahre nicht besser geworden ist. Die Konfrontation mit Pandemie und Lockdown hat unser Team richtig zusammengeschweißt", meint Hollberg, deren Vertrag in Florenz bis Juni 2024 läuft.

Nach der Pandemie strömen Ausländer wieder in Scharen durch Florenz, und die Stadt bekommt, genau wie Venedig, die Probleme des Massentourismus zu spüren. "Die Tourismusströme könnten in der Stadt besser reguliert werden. Es gibt deutliche Schwachstellen, die man mit kleinen Maßnahmen bewältigen könnte. Beispielsweise ziehen Gruppen von 60 Personen mit Kopfhörern durch die Stadt. Man sollte nur kleinere Gruppen von maximal 15 Personen zulassen, davon würden sowohl die Besucher als auch die Fremdenführer profitieren", meint Hollberg.

Außerdem sollte laut der Museumsdirektorin der Eröffnung von Souvenirläden und Imbissstuben Schranken gesetzt werden. "Die Massen bringen Florenz nicht das große Geld, viele Touristen verbringen nur zwei Stunden in der Stadt und reisen wieder ab. Man muss viel mehr auf Qualitätstourismus achten", fordert Hollberg.

Quelle: Agenturen