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Für Netrebko ist die "Macbeth"-Premiere "ein Abenteuer"

30. Nov. 2021 · Lesedauer 3 min

Starsopranistin Anna Netrebko fiebert ihrer fünften Premiere an der Mailänder Scala entgegen. Als Lady Macbeth übernimmt sie die Protagonistenrolle in der Verdi-Oper, mit der die Scala die neue Saison eröffnet. "Diese Premiere wird ein Abenteuer sein", sagte die Austro-Russin im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" (Dienstagsausgabe).

"Es gibt so viele Ebenen, die sich in 'Macbeth' überschneiden: Das Drama natürlich, die Kombination von kranker Liebe und Macht, aber auch wunderbare visuelle Effekte und schöne Kostüme. Das Set bewegt sich, dreht sich, hebt und senkt sich mit Hilfe von Aufzügen. Die Show ist spannend und perfekt für die Saisoneröffnung: Ich bin sicher, dass sie ein Erfolg wird", sagte Netrebko, die an Seite von Luca Salsi in der Rolle des Macbeth auftritt.

Dirigent und Scala-Musikdirektor Riccardo Chailly, der sich auf die zweite Fassung der Oper bezieht, die 1865 in Paris uraufgeführt, in französischer Sprache gesungen und 1874 an der Scala in italienischer Sprache inszeniert wurde, hat den sogenannten "Ball" im dritten Akt wiederhergestellt, eine Instrumentalseite, die viele Dirigenten gestrichen haben. "Die Lady Macbeth erhält eine neue Nuance", so die Sopranistin, die am 18. September ihren 50. Geburtstag gefeiert hat.

"Wir haben viele Stunden am Tag hart geprobt, alle Künstler sind sehr engagiert und werden versuchen, ihr Bestes zu geben. Die Mailänder Scala ist in dieser Zeit aufgrund der auferlegten Regeln und Einschränkungen sehr sicher", erklärte die in Wien lebende Sopranistin.

Die Rolle der Lady Macbeth wurde in der Vergangenheit von großen Sängerinnen interpretiert. "Meine Vorbilder sind Maria Callas, Ghena Dimitrova, Shirley Verrett und Maria Guleghina. Ich habe von allen etwas übernommen, aber auf der Bühne wird man meine Lady Macbeth sehen", erklärte Netrebko.

Verdis Oper sei ihrer Ansicht nach heute noch aktuell. "Die Welt hat sich nicht verändert. Wir sind von schrecklichen Dingen umgeben, und wir werden versuchen, das in dieser Aufführung deutlich zu machen", sagte die Künstlerin. Vor der großen Premiere empfinde sie Aufregung. "Ich fühle eine große Verantwortung, denn ich weiß, dass dies ein wichtiger Tag nicht nur für die Scala, sondern für ganz Italien ist", sagte die Sängerin.

Regisseur der Premiere ist der Italiener Davide Livermore. "Macbeth" wurde bereits vier Mal bei Scala-Saisoneröffnungen aufgeführt, zuletzt im Jahr 1997. Mit der diesjährigen Produktion schließt die Scala die Trilogie von Verdis Jugendopern, nachdem in den vergangenen Jahren bereits die Scala-Saison mit "Giovanna d'Arco" und "Attila" eröffnet wurde. Die Scala-Saisoneröffnung am 7. Dezember, ein Highlight der italienischen Kulturszene, findet jedes Jahr am Tag des Heiligen Ambrosius, des Schutzpatrons Mailands, statt.

Quelle: Agenturen