APA/APA/GETTY/THEO WARGO

"Friends"-Star Matthew Perry schreibt über sein Leben

Als Chandler Bing in der Kultserie "Friends" brachte der kanadische Schauspieler Matthew Perry Mitte der 90er-Jahre Woche für Woche Millionen von Fans zum Lachen und verdiente gleichzeitig Millionen von Dollar. Aber hinter der glitzernden Fassade versank Perry immer stärker in einer Spirale aus Alkohol-, Drogen- und Tablettensucht. Jetzt hat sich der 53-Jährige alles von der Seele geschrieben: "Friends, Lovers and the Big Terrible Thing" heißt seine Autobiografie.

Immer wieder gab es Risse in der Fassade und jahrzehntelang rätselten und spekulierten Fans, Kollegen und Medien öffentlich über den Zustand von Perry, während der sich eher sporadisch äußerte. "Wie geht es Matthew Perry?", schreibt "Friends"-Kollegin Lisa Kudrow im Vorwort des Buchs, das im Verlag Bastei Lübbe gerade auf Deutsch erschienen ist. "Seit Jahren werde ich das gefragt, und es gab Zeiten, in denen es die meistgestellte Frage überhaupt war." Denn dass der Zustand des Schauspielers schwankte, war während der zehn Staffeln "Friends" nicht zu übersehen: Mal wirkte Perry abgemagert und erschöpft, mal aufgedunsen - aber immer war er da und die Gags saßen. In einer 2021 veröffentlichten "Reunion"-Sendung, in der alle sechs Hauptdarsteller noch einmal zusammenkamen, wirkte Perry sehr krank, sagte so gut wie nichts und viele Fans waren danach geschockt.

Das volle Ausmaß dahinter kannte bisher aber wohl nur Perry selbst - und das legt er nun schonungslos offen: "Ich habe gut und gern sieben Millionen Dollar dafür ausgegeben, nüchtern zu werden. Ich war bei 6.000 AA-Meetings [Treffen der Anonymen Alkoholiker]. Ich war in 15 Entzugskliniken und einer psychiatrischen Anstalt. Ich bin 30 Jahre lang zweimal die Woche zur Therapie gegangen. Ich stand mit einem Bein im Grab." Jahrzehntelang habe die Suchtkrankheit sein Leben dominiert. Hauptsächlich Zigaretten, Alkohol und Schmerzmittel, teilweise Dutzende Pillen pro Tag, seien sein Problem gewesen, vor Heroin habe er Angst gehabt, was ihm womöglich das Leben gerettet habe, schreibt Perry.

Die Wurzeln der Krankheit sieht Perry in seiner Kindheit. Seine Mutter - ein Model, das später für den damaligen kanadischen Premierminister Pierre Trudeau arbeitete - und sein Vater - ein Schauspieler - waren beide noch sehr jung, als Perry zur Welt kam, und trennten sich kurz darauf wieder. Perry wuchs bei seiner Mutter in Kanada auf, die allerdings wegen ihres stressigen Jobs nicht viel Zeit für ihren Sohn hatte, und sah seinen Vater in Los Angeles nur selten. Als Teenager zog er dann ganz zu seinem Vater - was in der Familie für großen Streit gesorgt habe.

Er habe sich jahrelang gewünscht, dass seine Eltern wieder zusammenkämen - und immer nur auf ihre Aufmerksamkeit und ihren Stolz gehofft, vor allem von seiner Mutter, schreibt Perry. "Was ich ihr schon immer sagen wollte, was diese kleine Serie namens 'Friends' und all die anderen Serien und Filme betrifft: Ich habe das alles im Grunde nur getan, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen."

Aber inzwischen wisse er auch: Ohne die Erfahrungen seiner Kindheit hätte er diese Karriere nicht haben können und deswegen sei er seinen Eltern, die immer zu ihm gestanden hätten, auch sehr dankbar. "Ich hätte niemals Chandler spielen können, wenn meine Mutter nicht meine Mutter gewesen wäre. Ich hätte niemals 80 Millionen Dollar verdient, wenn meine Mutter nicht meine Mutter gewesen wäre. Denn Chandler war eben vor allem ein Mann, der seinen wahren Schmerz nicht zeigen konnte. Es gibt keine bessere Figur für eine Sitcom! Sich einfach über alles lustig zu machen, damit man nicht über das reden muss, was wirklich wichtig ist – so hat Chandler angefangen."

Auch seine "Friends"-Kollegen wie Jennifer Aniston, in die Perry, wie er zugibt, sich auch verschaut hatte, hätten immer zu ihm gestanden und versucht, ihm zu helfen - aber er habe sich nicht helfen lassen. Gleichzeitig habe er alles versucht, um sie bei der Serie nicht hängen zu lassen - und ließ sich beispielsweise zum Dreh der Hochzeit mit seiner Serien-Freundin Monica Geller, gespielt von Courteney Cox, direkt aus der Entzugsklinik hin- und danach wieder zurückfahren.

Viele seiner privaten Beziehungen scheiterten an der Sucht. Auf die meisten Frauen habe er sich von vornherein gar nicht emotional eingelassen, mit anderen habe er quasi vorbeugend Schluss gemacht - weil er so unglücklich mit sich selbst gewesen sei, dass er es für unausweichlich hielt, dass die Frauen die Beziehung ohnehin beenden würden.

So lief es auch mit Julia Roberts. Die Hollywood-Schauspielerin habe sich bei den Produzenten von "Friends" gemeldet und gesagt, sie hätte gerne eine Gastrolle, aber nur an der Seite von Perry. Daraufhin hätten die beiden monatelang geflirtet - damals noch per Fax. "Irgendwo auf der Welt gibt es einen Stapel Faxe, die etwa sechzig Zentimeter lang sind – ein Papierflirt voller Gedichte und Träumereien zweier Stars, die sich ineinander verlieben und auf wunderschöne romantische Weise eine Verbindung aufbauen." Aber Perry schaffte es nicht, die Beziehung aufrechtzuerhalten. "Anstatt mich also der unvermeidlichen Qual zu stellen, sie zu verlieren, machte ich mit der schönen und brillanten Julia Roberts Schluss."

Single und häufig einsam sei er noch immer, schreibt Perry, der noch nie verheiratet war und keine Kinder hat. Aber insgesamt habe er sein Leben und seine Sucht jetzt deutlich besser im Griff. Er sei vom Wesen her viel ruhiger und viel fähiger. "Sicher, heutzutage ist es gut möglich, dass ich, wenn ich eine gute Rolle in einem Film haben will, sie selbst schreiben muss. Aber das bekomme ich auch hin."

(S E R V I C E - Matthew Perry: "Friends, Lovers and the Big Terrible Thing", Lübbe, 320 Seiten, 23,50 Euro)

ribbon Zusammenfassung
  • Als Chandler Bing in der Kultserie "Friends" brachte der kanadische Schauspieler Matthew Perry Mitte der 90er-Jahre Woche für Woche Millionen von Fans zum Lachen und verdiente gleichzeitig Millionen von Dollar.
  • Jetzt hat sich der 53-Jährige alles von der Seele geschrieben: "Friends, Lovers and the Big Terrible Thing" heißt seine Autobiografie.
  • Ich bin 30 Jahre lang zweimal die Woche zur Therapie gegangen.