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"Franz K.": Surreale Reflexion über ein Leben

23. Okt. 2025 · Lesedauer 2 min

Eigentlich wurde ja 2024 das große Kafka-Jubiläumsjahr gefeiert, die Doyenne des europäischen Regiefilms lässt sich jedoch nicht hetzen. Und so erscheint "Franz K." von Altmeisterin Agnieszka Holland eben erst jetzt. Die 76-jährige Grande Dame des polnischen Films hat dabei kein gängiges Biopic geschaffen, sondern ein mosaikartiges Essay, in dem die Zeiten und Stile, die Metaphern und die Spielszenen miteinander verschwimmen. Am Freitag kommt "Franz K." ins Kino.

Im Kern geht es um den jungen Kafka im Prag um 1900, der vom jungen deutschen Shootingstar Idan Weiss gespielt wird, der die Zerrissenheit, die Melancholie und die Ich-Bezogenheit des Protagonisten grandios verkörpert. Ihm gegenüber stehen der autoritäre Vater Hermann ("Babylon Berlin"-Star Peter Kurth) als Vertreter des monotonen Alltags und sein Freund und Verleger Max Brod (Sebastian Schwarz) als Begleiter auf der Suche nach einer Alternative. Der Wunsch nach Liebe, die Literatur als Zufluchtsort, das Surreale des Lebens stehen im Fokus.

Holland erzählt aber keine chronologische Lebensgeschichte, sondern setzt Schlaglichter auf einzelne Episoden des Seins und Werdens des jungen Kafka im Prag des frühen 20. Jahrhunderts. Die Regisseurin, die gemeinsam mit Marek Epstein auch das Drehbuch für "Franz K." verfasst hat, streut dabei auch Kindheitsepisoden ein, setzt schnelle Schnitte und Übergänge. Holland wechselt zwischen Schwarz-Weiß und Farbe, zwischen den Zeiten und springt hie und da auch in die Gegenwart, in welcher der Mythos Kafka vermarktet wird.

Dynamische Fahrten, hastige Zooms - alles in "Franz K." ist auf Geschwindigkeit, Dynamik ausgelegt. Die Tonspuren überlagern sich, laufen bisweilen auseinander. Manchmal sprechen Weggefährten des Dichters in die Kamera, gerieren sich als Kommentatoren eines fiktiven dokumentarischen Films, wechseln in einer Szene fliegend die Örtlichkeit.

Ansätze eines Gesamtbildes

Die Filmemacherin scheut nicht die Verwebung biografischer Details wie Kafkas Manie, lange zu kauen, mit inszenierten Werkbezügen, alles zusammengehalten von einem modernen Soundtrack. Es entstehen so bunte, vielstimmige Flicker einer surrealen Biografie, die sich - zumindest in Ansätzen - zu einem Gesamtbild zusammensetzen. "Franz K." ist am Ende mehr eine Reflexion über Franz Kafka als ein Biopic, ein Werk, das auf Vorwissen setzt, um die vielschichtigen Bezüge zu erspüren und das doch seinem Sujet vielleicht näher kommt als manch konventioneller Ansatz.

(S E R V I C E - www.filmladen.at/film/franz-k/)

Zusammenfassung
  • Der Film "Franz K." der 76-jährigen Regisseurin Agnieszka Holland kommt am Freitag ins Kino und setzt sich essayistisch mit dem Leben des jungen Franz Kafka auseinander.
  • Im Mittelpunkt steht Kafka im Prag um 1900, gespielt von Idan Weiss, unterstützt von Peter Kurth als Vater Hermann und Sebastian Schwarz als Freund Max Brod.
  • Holland verzichtet auf eine chronologische Erzählweise und kombiniert biografische Episoden, schnelle Schnitte, wechselnde Zeitebenen sowie einen modernen Soundtrack zu einer surrealen Reflexion über Kafka.