APA - Austria Presse Agentur

Fotograf F.C. Gundlach 95-jährig verstorben

25. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

Der Fotograf und Sammler F.C. Gundlach ist tot. Er starb im Alter von 95 Jahren in Hamburg, wie eine Sprecherin der Elbschloss Residenz, wo Gundlach zuletzt lebte, am Sonntag bestätigte. Nach Angaben seiner Stiftung starb Gundlach bereits am Freitag.

Der 1926 in Heinebach (Hessen) geborene Franz Christian Gundlach galt als einer der bedeutendsten Modefotografen der deutschen Nachkriegszeit. Neben Models traten auch zahlreiche Stars wie Cary Grant, Romy Schneider oder Zarah Leander vor seine Kamera. Mit technischer Finesse und Inszenierungskunst setzte er die Mode auf seinen Bildern für Zeitschriften wie "Film und Frau" und "Brigitte" gekonnt in Szene: So stellte er seine Mannequins vor die Berliner Siegessäule, die im Krieg schwer zerstörte Gedächtniskirche oder die Pyramiden von Gizeh.

Gundlach lernte sein Handwerk auf einer privaten Fotografieschule in Kassel. Bis 1952 arbeitete er als Assistent und ließ sich danach als freischaffender Fotograf nieder. Gundlachs Bilder der Anfangszeit waren bestimmt von der Atmosphäre der Metropole Paris, später wandte er sich vom Schwarzweiß-Realismus ab und wurde zum Star der westdeutschen Modefotografie.

"Um Karriere zu machen, bedarf es dreier Dinge: Talent, Fleiß und Fortune. Ich habe auch viel Glück gehabt", sagte er bescheiden. Was folgte, war eine beispiellose Karriere. "Ich bin nie ein Paparazzi gewesen, ich musste es nie sein. Ich bin als Gast eingeladen worden", erinnerte er sich etwa an den mondänen Münchner Filmball. Das Geheimnis seines Erfolges? "Immer auf Augenhöhe miteinander umgehen. Das schafft Vertrauen, dann können Sie alles machen."

Einer dieser Stars, der ihm blindlings vertraute, war Romy Schneider. Ohne Make-up und Assistent kam die damals 23-Jährige zum Treffen mit dem Fotografen in sein Hamburger Atelier. "Da waren nur mein Assistent, sie und ich - aus", erinnerte er sich. Durch die persönliche Atmosphäre habe sie sich geöffnet. "Sie war nicht mehr Romy Schneider, sondern Rosemarie Albach. In den Porträts, die ich damals von ihr gemacht habe, wird ihr tragisches Schicksal schon sichtbar." Sie habe die Abzüge, die die Schauspielerin ganz ohne "Sissi"-Niedlichkeit zeigen, dann dutzendfach bestellt.

Ende der 1960er-Jahre wechselte Gundlach die Seiten und gründete in Hamburg das Dienstleistungsunternehmen "Professional Photo Service" (PPS), das Fachlabors und Studios betrieb. Später kam die "PPS-Galerie F.C. Gundlach" dazu, die erste reine Fotogalerie in Deutschland. Hier zeigt er internationale Fotostars wie Irving Penn, Richard Avedon, Robert Mapplethorpe, Martin Kippenberger, Nan Goldin und Wolfgang Tillmans.

Anfang der 1990er-Jahre verkaufte Gundlach sein Imperium und wurde zum leidenschaftlichen Sammler und Ausstellungsmacher. Sein Engagement als Ausstellungsmacher gipfelte 1999 in der ersten "Triennale der Fotografie" in Hamburg, einem in Deutschland bis dahin einmaligen Projekt. Im großen Rahmen präsentierten Museen, Galerien und öffentliche Ausstellungsorte eine umfassende Retrospektive über die Geschichte der Fotografie mit all ihren Spielarten. Zudem engagierte er sich jahrzehntelang in der Nachwuchsförderung.

Im Jahr 2000 übertrug Gundlach seine Sammlung in eine Stiftung, die als Dauerleihgabe 2005 im "Haus der Photographie" in den Hamburger Deichtorhallen ihre Heimat fand. Von 2003 bis 2005 war Gundlach Gründungsdirektor des Hauses der Photographie, das ihn 2008 mit einer großen Retrospektive ehrte. Im Jahr 2012 wurde Gundlach mit dem Henri-Nannen-Preis für sein publizistisches Lebenswerk ausgezeichnet. Aktuell zeigt seine Stiftung die Ausstellung "F.C. Gundlach at Work" in der Elbschloss Residenz Hamburg.

Berührungsängste mit dem Tod kannte der Fotograf nicht: Bereits vor Jahren ließ er sich auf dem Ohlsdorfer Friedhof ein Mausoleum errichten - auf einer Seite des viereckigen Kubus ist eines seiner berühmten Fotos in Beton eingemeißelt: Badekappen-Models vor den Cheopspyramiden.

Quelle: Agenturen