APA - Austria Presse Agentur

Filmstar Omar Sy kritisiert Polizei in Frankreich

Juni 05, 2020 · Lesedauer 3 min

Er ist aus Filmen wie "Ziemlich beste Freunde" und "Chocolat" bekannt - nun hat der französische Filmstar Omar Sy scharfe Kritik an Polizeigewalt in seinem Heimatland geübt. "Wir müssen den Mut haben, Gewalttaten der Polizei in Frankreich anzuprangern", schrieb der 42-Jährige in einem Petitionsaufruf, den am Freitag bereits mehr als 100.000 Menschen unterzeichnet hatten.

Für Samstag sind Proteste gegen Rassismus unter anderem am Pariser Eiffelturm geplant. "Ich bin in den USA für George Floyd auf die Straße gegangen", schrieb der in Los Angeles lebende Schauspieler Sy in Anspielung auf den Afroamerikaner, der bei einem brutalen Polizeieinsatz getötet wurde. Auch in Frankreich gebe es solche Fälle, und auch seien diese Woche zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, betonte Sy. Als Beispiel nannte er den Tod von Adama Traoré, der "genauso ungerecht und unwürdig wie der von George Floyd" sei.

Der 24-jährige Schwarze Traoré war 2016 in einer Pariser Vorstadt erstickt, nachdem er von drei Polizisten am Boden fixiert worden war - ähnlich wie Floyd. Mehrere offizielle Justizgutachten entlasteten die Beamten, während Gutachten im Auftrag der Familie immer wieder übermäßige Polizeigewalt verantwortlich machten.

Sy hatte sich von Anfang an für die Familie Traoré eingesetzt. Der in einer Pariser Vorstadt geborene Schauspieler betonte, er kenne aus seiner Jugend nur zu gut die "Angst, in den Händen der Sicherheitskräfte zu sterben". Polizeigewalt sei "eine Krankheit, die unser Land zerfrisst, und das bedeutet nichts Gutes für unsere Zukunft".

Frankreichs Innenminister Christophe Castaner hatte zuvor ein hartes Vorgehen gegen "Exzesse" und Rassismus bei den Sicherheitskräften zugesagt. Nach Angaben aus seinem Umfeld will er gegen Polizisten vorgehen, die sich rassistisch in einer Facebook-Gruppe geäußert haben sollen. Dies schade der "Ehre" der Polizei, hieß es. Den Fall soll die Staatsanwaltschaft untersuchen.

Für Samstag sind unter anderem in Paris neue Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus angekündigt. Die größte Kundgebung soll auf dem Marsfeld am Eiffelturm stattfinden. Proteste vor der US-Botschaft in Erinnerung an George Floyd wurden dagegen nicht genehmigt. Bereits am Dienstag waren in Paris mehr als 20.000 Menschen auf die Straße gegangen. Die Behörden hatten die Kundgebung ebenfalls untersagt und dies mit der Corona-Pandemie begründet.

Die europäische Grundrechte-Agentur in Wien rief alle EU-Staaten auf, gegen Rassismus zu kämpfen. Rassistische Belästigungen, Gewalt und diskriminierende Polizeikontrollen seien in Europa weit verbreitet, erklärte die Behörde. In einer Umfrage bei rund 6.000 Menschen mit afrikanischen Wurzeln sagte demnach rund jeder Dritte, er sei in den vergangenen fünf Jahren rassistisch beleidigt worden. Jeder Vierte berichtete von einer Polizeikontrolle.

In Grenoble in den französischen Alpen wurde ein Streetart-Festival mit einem Porträt von George Floyd eröffnet. Der Künstler Combo malte es an eine Mauer gegenüber einer Polizeiwache.

Quelle: Agenturen