Filmmuseum zeigt 2026 Ikonen und ihre Anfänge
"Wir haben ein großes Jahr des Aufbruchs hinter uns", erinnerte Direktor Michael Loebenstein am Donnerstag an das 2025 eröffnete Filmmuseum LAB als zentralen Standort der Sammlung im Arsenal. Heuer werde man damit beginnen, "die aufgestoßenen Türen stärker zu vernetzen", sagte er bei der Programmpräsentation am Donnerstag.
Am Beginn des Jahresprogramms steht auch 2026 in alter Tradition wieder das italienische Kino: Im Brennpunkt steht - mehr als 20 Jahre nach der letzten umfassenden Schau - der Neorealismus-Pionier Luchino Visconti, dessen Werk im Zuge der bereits am Mittwoch angelaufenen und noch bis 25. Jänner dauernden Retrospektive auf raren 35mm-Kopien gezeigt wird.
Ab 22. Jänner und bis 19. Februar steht dann Alexander Kluge im Mittelpunkt, der als Mitinitiator des Neuen Deutschen Films in den 1960-Jahren filmisches Erzählen konsequent geöffnet hat, bevor er sich zunehmend dem Fernsehen sowie literarischen und theoretischen Formen zuwandte. Anlässlich seines 94. Geburtstags am 14. Februar wird Kluge, dessen Retrospektive von frühen Kinoarbeiten bis zur Weltpremiere seines jüngsten Films "Primitive Diversity" reicht, via Zoom im Filmmuseum zu Gast sein.
Im März und April stellt man mit Derek Jarman einen der bedeutendsten britischen Künstler des 20. Jahrhunderts und zugleich zentrale Figur für queere Kultur vor. Zu sehen gibt es alle derzeit verfügbaren Filme Jarmans, der auch mit Tilda Swinton am Beginn ihrer Karriere und Musikvideos u.a für die Pet Shop Boys gedreht hat. Die seltene Live-Aufführung seines testamentarischen Films "Blue" mit Originalmusikbegleitung des Komponisten Simon Fisher Turner am Klavier steht ebenfalls am Programm.
Die Anfänge von Kinoikonen
Zurück zu den Anfängen großer Kinoikonen begleitet im Frühjahr die mehr als 70 Filme umfassende Reihe "Collection on Screen: First Light": Regiedebüts späterer Legenden von Josef von Sternberg bis Luis Buñuel, von Orson Welles bis Akira Kurosawa, von Jean-Luc Godard bis John Cassavetes, von David Lynch bis Jim Jarmusch werden als "Weggabelungen, an denen sich das Kino neu erfand", vor den Vorhang geholt. Im Mai und Juni spannt man zudem Regiestar Stanley Kubrick mit den weniger bekannten US-Filmemachern Shirley Clarke und Michael Roemer zu einer gemeinsamen Retrospektive zusammen.
Außerdem plant man im fortlaufenden Jahr Personalen zur amerikanischen Filmemacherin Nora Sweeney oder dem Brüderpaar Bruce und Norman Yonemoto. Anlässlich seines 70. Geburtstags soll auch der Österreicher Josef Dabernig große Aufmerksamkeit zuteil werden - und mit Linda Christanell wird im Herbst zudem eine prägende Persönlichkeit der heimischen Filmavantgarde auf den Sockel gehoben.
Projekte für Digitalisierung und KI
Ihr recht umfangreiches Werk ist auch einer der beiden Digitalisierungsschwerpunkte im LAB, die sich das Filmmuseum für dieses Jahr vorgenommen hat. Der zweite ist die Aufarbeitung des filmischen Schaffens von Künstler Heimo Zobernig, die der Institution als Schenkung überlassen wurde.
Noch in Ausarbeitung befinden sich zwei Projekte, die ebenfalls 2026 realisiert werden sollen, kündigte Loebenstein an. Dabei geht es einerseits um das Thema Künstliche Intelligenz und Filmemachen und andererseits um feministische Filmarbeit in Afrika mit besonderem Blick auf Simbabwe.
(S E R V I C E - https://www.filmmuseum.at/)
Zusammenfassung
- Das Filmmuseum zeigt 2026 mit der Reihe 'Collection on Screen: First Light' über 70 Regiedebüts von Kinoikonen wie Orson Welles, Jean-Luc Godard, Akira Kurosawa und Jim Jarmusch.
- Im Fokus stehen außerdem Retrospektiven zu Größen wie Luchino Visconti (bis 25. Jänner auf 35mm), Alexander Kluge (anlässlich seines 94. Geburtstags am 14. Februar) und Derek Jarman, dessen Film 'Blue' live mit Originalmusik aufgeführt wird.
