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Filmfestival Diagonale - Leitfaden für Schutz am Set

Heute, 09:43 · Lesedauer 4 min

Die Gewinnerin des Großen Diagonale-Schauspielpreises, Hilde Dalik, hat es in ihrer Dankesrede bei der Eröffnung am Mittwochabend in teils drastischen Worten angesprochen - die Notwendigkeit sicherer Strukturen am Set eines Films. Um solche kümmert man sich seitens der Ombudsstelle Film html5-dom-document-internal-entity1-amp-end Fernsehen im Rahmen von #we_do! mit einem neuen "Mitarbeiter*innenschutzkonzept", wie es am Donnerstagvormittag in Graz im Rahmen des Filmfestivals präsentiert wurde.

Dalik hatte in ihrer Rede davon gesprochen, dass man am Set von Männern durchaus mit den Worten "nice tits" sozusagen "begrüßt" worden war und gleichzeitig die Fortschritte anderer Länder bei der Filmarbeit thematisiert. In Dänemark etwa gebe es Kinderbetreuung am Set, so die Preisträgerin. Doch auch in Österreich ist das Problem der Diskriminierung erkannt worden und wird angegangen: Der Verein "#we_do! - Ombudsstelle Film- & Fernsehen" setzt sich seit 2019 für bessere Arbeitsbedingungen und gegen Belästigung, Diskriminierung, Machtmissbrauch und Gewalt in der Film- und Fernsehbranche ein.

Erarbeitet wurde unter Zuhilfenahme von Fachleuten im Bereich Gewaltschutz sowie Vertreterinnen und Vertretern der Filmbranche ein Schutzkonzept für Beschäftigte. Dazu wurde das Angebot an Trainings- und Vernetzungsformaten ausgebaut. Laut dem Jahresbericht 2025 der Ombudsstelle Film & Fernsehen haben sich 69 Personen an die Ombudsstelle gewendet. Insgesamt kam es zu 140 Beratungskontakten. Die häufigsten Themen in den Beratungen sind nach wie vor Machtmissbrauch, sexuelle Belästigung, Diskriminierung, Ausbeutung und Mobbing.

"Die Zahlen zeigen, dass der Bedarf an Unterstützung auch ohne größere mediale Debatten stabil hoch bleibt", so Daniel Sanin, gemeinsam mit Alexandra Eitzinger zuständig für die #we_do!-Beratung. Organisatorisch ist 2025 aus dem ursprünglichen Projekt der vergangenen sechs Jahre eine nun institutionell verankerte Ombudsstelle in Vereinsstruktur geworden. Zur Verfügung steht ein interdisziplinäres Beratungs- und Trainingsteam und ein Expertenbeirat. Mit Emily Hanslik und Nina Krebs wurden zwei Expertinnen für Trainings- und Sensibilisierungsformate an Bord geholt. Im Rahmen der Präventionsarbeit wurden bis März dieses Jahres 35 Vertrauenspersonen ausgebildet.

Leitfaden für Schutz und Prävention

Ziel sei es, aus den Erkenntnissen der Ombudsstelle Empfehlungen und präventive und strukturelle Maßnahmen für die Branche abzuleiten. "Diese finden sich jährlich systematisch aufbereitet in unseren Berichten wieder und sind ein zentrales Instrument unserer Präventionstätigkeiten", sagte Eitzinger.

Das "Mitarbeiter*innen-Schutzkonzept Film & Fernsehen" funktioniert nach dem Prinzip von "Protect and Prevent". Die Einzelfallberatung ist Herzstück dieses ganzheitlichen Ansatzes. Die Praxis zeige, dass es sich bei Vorfällen selten um isolierte Einzelfälle handle. Neben der Unterstützung betroffener Personen stehen daher auch strukturelle und präventive Maßnahmen im Zentrum. Ein Leitfaden - "Workbook Mitarbeiter*innenschutzkonzept" - stellt ein praxisnahes Instrument für Organisationen und Produktionen von Filmen zur Verfügung, um sich freiwillig und systematisch mit Schutz der Mitarbeitenden, Prävention und Verantwortung von Organisationen auseinanderzusetzen.

Workbook zum Download

Im Angebot ist unter anderem das kostenlose Workbook zum Herunterladen über die Homepage www.ombudsstellefilm.com, das eine Anleitung zur Erstellung, Reflexionsfragen für Organisationen, Mindeststandards, Empfehlungen sowie Entscheidungshilfen bietet. Es erläutert zudem den Zusammenhang zwischen Schutzstrukturen, organisationaler Verantwortung und rechtlichen Rahmenbedingungen wie dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) oder dem Gleichbehandlungsgesetz.

Ein interaktiver Selbst-Check auf der Website helfe einzuschätzen, wo man aktuell stehe und welche nächsten Schritte sinnvoll sein könnten. Außerdem können Organisationen vertiefende Unterstützung im Rahmen unterschiedlicher Beratungsformate bei #we_do! in Anspruch nehmen. Ein weiterer wichtiger Teil von #we_do! sind Weiterbildungen und Trainings rund um Prävention, Verantwortung und sichere Arbeitsstrukturen, wie etwa das Webinar "Know Your Rights".

(S E R V I C E - Diagonale, Festival des österreichischen Films, Info und Tickets unter www.diagonale.at, Info zu #we_do! unter www.ombudsstellefilm.com abrufbar.)

Zusammenfassung
  • Die Ombudsstelle Film & Fernsehen hat beim Diagonale-Festival ein neues Mitarbeiter*innenschutzkonzept präsentiert, das auf Schutz und Prävention gegen Diskriminierung, Belästigung und Machtmissbrauch am Set abzielt.
  • Im Jahr 2025 suchten 69 Personen mit insgesamt 140 Beratungskontakten Unterstützung bei der Ombudsstelle, wobei Machtmissbrauch, sexuelle Belästigung und Diskriminierung die häufigsten Themen waren.
  • Organisationen können ein kostenloses Workbook, einen interaktiven Selbst-Check und Trainingsangebote über www.ombudsstellefilm.com nutzen, wobei bis März 2025 bereits 35 Vertrauenspersonen ausgebildet wurden.