APA - Austria Presse Agentur

Fantasy-Drama "Titane" gewinnt Goldene Palme in Cannes

17. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

Die Goldene Palme in Cannes geht in diesem Jahr an den französischen Film "Titane". Die Jury kürte das Fantasy-Drama der Französin Julia Ducournau am Samstagabend zum besten Film des diesjährigen Wettbewerbs.

 Zum zweiten Mal in der Geschichte des Filmfestivals geht die Goldene Palme damit an eine Frau - 1993 hatte Jane Campion für "Das Piano" die Auszeichnung erhalten.

"Titane" war der gewalttätigste und wildeste Film des Wettbewerbs - und wurde von Kritikern alles andere als hochgelobt. Er erzählt die Fantasy-Geschichte einer jungen Frau, die sich nicht an Normen halten will, Sex mit Autos hat, hemmungslos tötet und vorgibt, männlich zu sein, obwohl sie von einem alten Cadillac schwanger ist.

Ducournau dankte der Jury dafür, dass sie "zu mehr Vielfalt in unseren Erfahrungen im Film und in unseren Leben aufruft". Die 37-Jährige fügte hinzu: "Der Abend war perfekt, weil er unperfekt war". Sie fügte an die Jury gerichtet hinzu, "Danke, dass ihr die Monster reingelassen habt".

Spike Lee verriet Gewinner zu früh

Gleich zu Beginn der Zeremonie hatte Spike Lee für einige Überraschung gesorgt, als er bereits die Preisträgerin der Goldenen Palme verkündete - statt den ersten Preis des Abends für den besten männlichen Schauspieler vorzustellen. Er entschuldigte sich: Er sei "derjenige, der das Tor verfehlt" habe.

Der Preis für den besten männlichen Darsteller ging an den 31-jährigen US-Schauspieler Caleb Landry Jones für seine erschütternde Darstellung eines jungen Mannes mit Borderlinesyndrom in "Nitram", der ein grausiges Verbrechen verübt. Der Film dreht sich um das schlimmste Massaker in der Geschichte Australiens. Dass Regisseur Justin Kurzel das Schusswaffenmassaker in Port Arthur von 1966 mit 35 Toten zu einem Film verarbeitete, hatte in Australien für scharfe Kritik gesorgt.

Ehrenpalme für Jodie Foster

Als beste weibliche Darstellerin wurde die Norwegerin Renate Reinsve für ihre Rolle in "The Worst Person in the World" des norwegischen Regisseurs Joachim Trier ausgezeichnet. Mit der Goldenen Ehrenpalme war bereits zu Beginn des Festivals die zweifache Oscar-Gewinnerin Jodie Foster aus den USA geehrt worden.

Der Große Preis der Jury ging in diesem Jahr gleich an zwei Filme: an "Hytti NRO 6" ("Compartment No.6") des Finnen Juho Kuosmanen und "A Hero" des Iraners Asghar Farhadi. Der Preis für die beste Regie ging an den Franzosen Leos Carax für das Musical "Annette". Für das beste Drehbuch wurden die Japaner Hamaguchi Ryusuke und Takamasa Oe für "Drive My Car" ausgezeichnet. Der Film, bei dem Hamaguchi Ryusuke die Regie führte, hatte bei vielen Kritikern als Favorit gegolten.

In diesem Jahr standen 24 Filme an der Côte d'Azur im Wettbewerb, bei vier von ihnen führten Frauen Regie. Die Festspiele fanden unter Corona-Auflagen statt, nachdem sie im vergangenen Jahr ausfallen mussten. Zuletzt hatte 2019 der südkoreanische Regisseur Bong Joon Ho die Goldene Palme für seinen Film "Parasite" erhalten. 

Der Film "Die Große Freiheit" des Österreichers Sebastian Meise ist am Freitagabend mit dem Jurypreis der Sektion "Un Certain Regard" ausgezeichnet worden. Den Großen Preis dieser Sektion vergab die Jury unter dem Vorsitz der englischen Regisseurin Andrea Arnold an den Film "Unclenching the Fists" der Russin Kira Kovalenko.

Quelle: Agenturen