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Erfolg für Verdis "La forza del destino" in Linz

22. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Giuseppe Verdis Oper "La forza del destino" erlebt am Linzer Musiktheater eine ungewöhnliche, neue, aber musikalisch packende Interpretation. Der deutsche Regie-Routinier Peter Konwitschny komprimierte das ursprünglich dreistündige Drama auf eindreiviertel Stunden, in denen dank Verdis fesselnder Musik das Scheitern der Beziehung zwischen Leonora, ihrem Geliebten Alvaro und ihrem Bruder Carlo überzeugend zur Geltung kommt. Die Premiere am Samstag wurde heftig umjubelt.

Die Handlung der Oper ist reichlich absurd: Durch einen unabsichtlichen Pistolenschuss wird Leonoras und Carlos Vater getötet. Er lehnte Alvaro, den Geliebten seiner Tochter, ab. Sie zieht sich daraufhin in eine klösterliche Einsiedelei zurück, um dort ihr Leben zu beschließen. Carlo sinnt auf Rache für den Tod des Vaters. Im Krieg trifft er auf Alvaro; beide erkennen einander nicht und beschließen lebenslange Freundschaft. Dann aber entdeckt Carlo den Freund als Mörder seines Vaters. Am Schluss fließt viel Bühnenblut.

Verdis Klangpracht begeisterte das Publikum in dieser pausenlosen "Linzer Fassung" ungetrübt. Das begann beim hochmotivierten Bruckner Orchester Linz mit beeindruckenden solistischen Leistungen, glänzend angeleitet durch Enrico Calesso am Pult. Als Italiener hat er eine besondere Nähe zu Verdis Musik. Er führte auch die Solisten und den Chor zu klanglichen Höchstleistungen. Erica Eloff, als Leonora hochdramatisch, aber auch innig berührend, fügte ihren bisherigen Rollen in Linz einen weiteren Höhepunkt hinzu. Als ihr Geliebter Alvaro begeisterte Sung-Kyu Park mit strahlendem Tenor. Adam Kim überzeugte ebenfalls darstellerisch und stimmlich als Carlo. Als Preziosilla führte Manuela Leonhartsberger solistisch auch den einsatzfreudigen Chor (einstudiert von Elena Pierini) an. Die drei Chorszenen der Inszenierung verbinden beklemmend (etwa in der Verherrlichung des Krieges "Ratataplan, ratataplan") die nicht weniger dramatischen Szenen der Solisten. In den kleineren Partien der Oper bewähren sich auch Michael Wagner als Vater, Dominik Nekel als Pater Guardian und Vaida Raginskyte als Zofe.

Die Bühne gestaltete ebenfalls Konwitschny, als symbolisches und praktikables Gefängnis schicksalshafter Ereignisse. In das Finale plazierte der Regisseur ein großes Ensemble aller Mitwirkenden mit einem Hilferuf, einer Bitte an Gott. Optisch wurde dabei auch das Publikum einbezogen.

(S E R V I C E - "La Forza del Destino" (Die Macht des Schicksals) von Giuseppe Verdi, musikalische Leitung: Enrico Calesso, Inszenierung und Bühne: Peter Konwitschny, Kostüme: Karin Waltenberger, Anna Beck. Mit u.a. Michael Wagner (Marchese von Calatrava), Carina Tybjerg Madsen/Erica Eloff (Donna Leonora), Adam Kim (Don Carlo di Vargas), Sung-Kyu Park (Don Alvaro), Manuela Leonhartsberger (Preziosilla). In italienischer Sprache mit Übertiteln, Linzer Fassung. Weitere Vorstellungen am 28. Jänner, 3. und 16. Februar, 4., 8. und 25. März 2023, Musiktheater Linz, Großer Saal. www.landestheater-linz.at)

Quelle: Agenturen