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Eklat auf Malta wegen Theaterstück um ermordete Journalistin

02. Apr. 2022 · Lesedauer 2 min

Maltas Nationaltheater hat nach einem öffentlichen Aufschrei ein Stück abgesagt, weil es die ermordete Journalistin Daphne Caruana Galizia in schlechtem Licht darstelle. Das Management des Teatru Manoel entschied einstimmig für die Absage, wie die Kultureinrichtung am Freitag mitteilte. Der Ärger war aufgekommen, nachdem das Drehbuch des von Steuergeldern finanzierten Stücks an die Öffentlichkeit gelangte.

In der Aufführung "ix-Xiha" ("die alte Frau") spielt eine Figur namens Jenny, die auf der 2017 durch eine Autobombe getöteten Investigativ-Journalistin basiert. Die Rolle zeige eine bösartige und rachsüchtige Bloggerin, so die Kritik. An einer Stelle sagt Jenny demnach Kritikern, dass sie hoffe, deren Kinder stürben an Krebs.

Schauspieler und Theaterleiter zeigten sich erschüttert über das Skript und forderten branchenweit zum Boykott des Nationaltheaters auf. Der "Times of Malta" zufolge verließen drei Schauspieler die Theater-Besetzung.

Der Fall um den Mord an Caruana Galizia hängt weiter über der Politik des kleinsten EU-Landes. Vor neun Monaten befand eine Untersuchung, dass die maltesische Regierung die Verantwortung für die Tötung trage, weil sie eine "Kultur der Straffreiheit" bestärke. In einem Gerichtsverfahren zum Tod der Journalistin gab ein Mann die Beteiligung am Mord an der damals 53-Jährigen zu, zwei Angeklagte plädieren weiter auf unschuldig. Die Bloggerin hatte 2017 zu Korruption im Zusammenhang mit einem Vertrag für ein Kraftwerk und Verbindungen in die höchste Ebene der Politik recherchiert.

Quelle: Agenturen