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Ein Oscar-Smoking für Regisseur Edward Berger

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Ob Edward Berger in der Nacht auf Montag den Oscar für den besten Film abräumt oder nicht, wird für seinen internationalen Stellenwert als Regisseur keinen entscheidenden Unterschied mehr machen: Der 52-Jährige erarbeitete sich fast unbemerkt von einer breiten Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren ein internationales Renommee, wie es nur wenigen deutschen Filmemachern gelang.

Berger ist Regisseur und Ko-Drehbuchautor des Kriegsfilms "Im Westen nichts Neues", der schon jetzt einer der größten Erfolge der deutschen Filmgeschichte ist. Nachdem die Netflix-Produktion bei den britischen Bafta-Awards sieben Preise gewinnen konnte, blicken Berger und sein Team nun mit Vorfreude nach Hollywood, wo der Film gleich für neun Oscars nominiert ist. "Sind wir überrascht? Natürlich. Ich meine, mit so etwas kann man nicht rechnen", sagte Berger der Nachrichtenagentur AFP.

Dass Berger in seinem Beruf Großes gelingen würde, ist allerdings keine Überraschung, sondern wurde von manchen längst erwartet. Schon 2019 beschrieb der "Spiegel" nach dem deutschen Film "All My Loving" Berger als einen Künstler, "dessen Karriere gerade durch die Decke geht".

Der 1970 in Sichtweite des VW-Werks in Wolfsburg geborene Filmemacher mit Schweizer Nationalität orientierte sich schon früh an internationalen Größen wie Woody Allen, Ang Lee und Nanni Moretti. Er begann sein Studium zwar zunächst im nahen Braunschweig. Bald wechselte er aber an die New York University (NYU) in den USA, wo auch schon Martin Scorsese, Joel Coen oder der von Berger als Vorbild genannte Lee studiert hatten.

Seit 1997 lebt der mit der Schauspielerin Nele Mueller-Stöfen verheiratete Berger wieder in Deutschland in Berlin. Mit "Gomez - Kopf oder Zahl" veröffentlichte er kurz nach seiner Rückkehr seinen ersten abendfüllenden Film, bei dem er außer Regisseur auch Drehbuchautor war. Schon sein zweiter großer Film "Frau2 sucht HappyEnd" brachte ihm größere Aufmerksamkeit.

Berger drehte in der Folge gelobte Filme für Fernsehkrimireihen wie "Schimanski", den "Tatort", "Bloch", "KDD Kriminaldauerdienst" und "Polizeiruf 110". Nebenher drehte er auch immer wieder Werbefilme. Dem "Spiegel" sagte er, in der Zeit rund um seinen 40. Geburtstag habe er aber gemerkt, wenn er jetzt nichts ändere in seiner Karriere, bleibe er stecken. Er habe damals "seine Stimme noch nicht gefunden" gehabt.

Was folgte, ist eine seitdem anhaltende, äußerst kreative Schaffensphase, oft zusammen mit seiner Frau. Als erstes Produkt dieser neuen Schaffensphase erschien 2014 der von dem Paar gemeinsam geschriebene Kinofilm "Jack". Der nächste große Film war der hochgelobte "All My Loving", für den sich Berger am US-Independent-Film orientierte. Genau wie davor "Jack" wurde "All My Loving" allerdings eher ein Film für Cineasten, beim breiten Publikum fielen beide Filme durch.

Auch die von Berger in den ersten fünf Folgen verantwortete RTL-Serie "Deutschland 83" brachte eher durchwachsene Quoten. Sie wurde allerdings ein großer internationaler Erfolg. Danach drehte Berger die Amazon-Serie "The Terror" und kurz danach die britische Serie "Patrick Melrose" mit Benedict Cumberbatch als Hauptdarsteller - die Reihe wurde preisgekrönt.

Die internationale Ausrichtung erklärt vielleicht, weshalb Berger den Mut zeigte, einen klassischen Stoff wie "Im Westen nichts Neues" mit eigenen Hinzufügungen neu zu inszenieren. Berger veränderte für die Netflix-Verfilmung die Vorlage des Osnabrücker Schriftstellers Erich Maria Remarque, was ihm insbesondere in Deutschland viel Kritik einbrachte. Nach den begeisterten Reaktionen im Ausland ist von Kritik inzwischen auch in Deutschland nichts mehr zu hören.

Berger arbeitet bereits wieder an seinem nächsten Projekt, in Rom dreht er den Kinothriller "Conclave" über Wirrungen bei einer Papstwahl. Für die Oscar-Verleihung kann Berger eine Pause machen - einen neuen Smoking ließ er sich auch schon schneidern. "Ich dachte, jetzt wäre ein guter Anlass, einen neuen zu bestellen und den auch so zu machen, wie ich ihn immer schon haben wollte - dieser Anlass kommt auch nicht unbedingt wieder", sagte Berger im Norddeutschen Rundfunk.

ribbon Zusammenfassung
  • Berger ist Regisseur und Ko-Drehbuchautor des Kriegsfilms "Im Westen nichts Neues", der schon jetzt einer der größten Erfolge der deutschen Filmgeschichte ist.
  • Nachdem die Netflix-Produktion bei den britischen Bafta-Awards sieben Preise gewinnen konnte, blicken Berger und sein Team nun mit Vorfreude nach Hollywood, wo der Film gleich für neun Oscars nominiert ist.
  • Nebenher drehte er auch immer wieder Werbefilme.