APA/APA/EVA MANHART/EVA MANHART

Editors setzten im Wiener Gasometer auf tanzbare Clubsounds

18. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Der Wandel war ihnen schon bisher in die musikalische DNA eingeschrieben: Die britische Band Editors sicherte sich Anfang der 2000er-Jahre zunächst einen Fixplatz im grassierenden Postpunk-Revival, bevor sich zusehends ein elektronischer, dabei durchaus poppiger Ausdruck einschlich. Mittlerweile ist die Gruppe um Ausnahmesänger Tom Smith im Club angekommen und setzt auf pulsierende Beats. Das bewies man auch Montagabend im Wiener Gasometer.

Rund 1.700 Fans waren gekommen, um der neuesten Inkarnation der Editors beizuwohnen. Diese hat ihren Ursprung auch in der 2018 erstmals erfolgten Zusammenarbeit mit Elektronikkapazunder Blanck Mass alias Benjamin John Power. Er hat damals die Platte "Violence" mitproduziert und ist mittlerweile zum fixen Bandmitglied aufgestiegen. Das zeigt sich einerseits im Titel der neuen Platte "EBM" (steht für Electronic Body Music ebenso wie für Editors Blanck Mass), andererseits in deren Sound: Von der ersten Sekunde an breitet sich hier ein dichter Klangteppich aus, bei dem die flirrenden Indie-Gitarren nur ein Element unter vielen sind.

Wer sich fragte, ob dieser vielleicht extremste Bruch in der bisherigen Karriere auch live so konsequent umgesetzt wird, musste nicht lange warten: Das Eröffnungsdoppel "Heart Attack" und "Strawberry Lemonade" machte im Gasometer kurzen Prozess mit allen Zweiflern und erzeugte einen Sog, dem man sich kaum widersetzen konnte. Schicht um Schicht türmte das Sextett - neben Smith und Power aktuell bestehend aus Russell Leetch (Bass), Ed Lay (Schlagzeug), Justin Lockey (Gitarre) und Elliott Williams (Keyboards) - seine Klänge auf, nisteten sich in der fein ausgeklügelten Rhythmik die Ohrwurmmelodien ein und sorgte die reduzierte Lichtshow für eine stimmige Atmosphäre.

Es war beeindruckend, wie vor allem im ersten Konzertdrittel die neuen Stücke "Karma Climb" oder "Picturesque" ihre Hitqualitäten offenbarten und noch eine Spur direkter als auf Platte um die Ohren flogen, während das elegisch-eigenwillige "In This Light and on This Evening" oder das in Richtung Stadiongeste schielende "Sugar" die komplette Bandbreite der Gruppe deutlich machte. Das Publikum um den Finger wickeln? Sowieso kein Problem für den ewig zappelnden Smith, der immer wieder über die Bühne fegte, nur um im richtigen Moment den Weg zu seinem Mikrofon zu finden, während sich im Hintergrund der zentral platzierte Drummer Lay besonders an den neuen Songs und ihrer nach vorne preschenden Art abarbeitete.

Welchen Weg man wirklich gekommen ist, zeigten nicht zuletzt die Glanztaten vergangener Tage. "Smokers Outside the Hospital Doors" mit seiner für Indie-Verhältnisse geradezu klassischen Instrumentierung und ebensolchen Struktur wirkte wie aus der Zeit gefallen - ein Beispiel dafür, wie schnell sich Trends abnutzen. Auch die Frage, ob man eine typische Singer-Songwriter-Darbietung von Smith bei "Nothing" und das direkt folgende, elektropoppige "All the Kings" in dieser Kombination braucht, muss wohl jeder und jede für sich selbst beantworten. Andererseits: Wieso diese Geschmäcker außen vor lassen, wenn die Songs an sich doch gut funktionieren?

Im Endeffekt bewies der dichte Songreigen - in knapp zwei Stunden wurden immerhin 22 Stücke geboten, die den Protagonisten nur wenig Zeit zum Durchatmen ließen -, dass man sich vor Veränderungen nicht verschließen sollte. Zwar mag die klangliche Orientierung an 80er-Jahre-Clubmusik wie auf "EBM" zunächst wie ein Rückschritt erscheinen, aber eigentlich haben die Editors nur ein weiteres Mal ihrer Neugier freien Lauf gelassen. Dass dabei auf Favoriten wie "Munich" oder "An End Has a Start" nicht vergessen wird, versteht sich zwar von selbst. Aber es war diesmal dann doch das neue Outfit für den Dancefloor, das dem Sextett am besten stand. Dieser Reise zurück in die Zukunft folgt man immer wieder gerne.

(S E R V I C E - www.editors-official.com)

Quelle: Agenturen