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Dirigent Bytschkow: "Nicht schweigen im Angesicht des Bösen"

01. März 2022 · Lesedauer 2 min

Der gebürtige St. Petersburger Stardirigent Semjon Bytschkow hat sich in einem emotionalen Appell an die Öffentlichkeit gewandt und dabei klar Stellung gegen die russische Führung unter Wladimir Putin angesichts des Angriffskrieges gegen die Ukraine bezogen. "Ich weiß nicht, ob Russland in meiner Lebensspanne herausfinden wird, wie es in Frieden mit sich und der Welt leben kann", bedauerte der 69-Jährige, der im Alter von 22 Jahren in die USA emigrierte.

"Ich kenne das alte russische Sprichwort 'Reden ist Silber, Schweigen ist Gold'. Aber es gibt Momente im Leben, wenn das Schweigen im Angesicht des Bösen Komplizenschaft wird. Und heute still zu bleiben wäre der Verrat an unserem Gewissen und unseren Werten und letztlich an allem, was edel an der menschlichen Natur ist", schreibt der Dirigent in einem der APA vorliegenden Essay.

"Die Kultur Russlands, seine Sprache, seine edlen Traditionen fließen in meinen Adern. Das war immer so und wird immer so bleiben", macht Bytschkow deutlich: "Es schmerzt mich zu sehen, das Russland, dessen Töchter und Söhne die Welt mit außergewöhnlichen künstlerischen Leistungen und wissenschaftlichen Entdeckungen gesegnet haben, unfähig oder vielleicht auch nicht willens ist, seiner dunklen Vergangenheit zu entkommen."

"Die Russen sind zu unendlichen Opfern und Geduld fähig und wissen um die wahre Bedeutung von Freundschaft, Großzügigkeit und Mitleid. Diese Charakterzüge werden jedoch systematisch vom jenem Regime zerstört, das ihr Leben auf allen Ebenen beherrscht. Dem sind sie angesichts fehlender Möglichkeiten für einen gewaltfreien Wechsel hilflos ausgeliefert."

Ab Donnerstag ist Bytschkow auch zu hören - im Wiener Musikverein, wo er mit der Tschechischen Philharmonie als Residenzorchester zu erleben ist. Für das kleine Festival "Grenzgänge" sind bis 6. März drei Konzerte angesetzt, die tschechisches, russisches und deutsches Repertoire umfassen - von Smetanas "Mein Vaterland" über Rachmaninows Klavierkonzert bis zu Viktor Ullmanns "Die Weise von Liebe und Tod".

Quelle: Agenturen