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Die Osterfestspiele Salzburg schöpften vorösterlich

Heute, 09:15 · Lesedauer 3 min

Mit Joseph Haydns "Schöpfung" ist am Samstagabend im Großen Festspielhaus im Rahmen der Osterfestspiele ein Chorkonzert von gänzlich festlicher, fast sakraler Anmutung gelungen. Daniel Harding, der den Abend mit den Berliner Philharmonikern, dem Chor des Bayerischen Rundfunks und einem durchwegs starken Solistenensemble leitete, machte das Oratorium zu einem vorösterlichen Fest der Schöpfung.

Gleich zu Beginn setzte Harding die Segel Richtung Wirkung aus der Tiefe. Den ersten Teil ließ er mit den Berlinern und Konstantin Krimmel auffallend langsam anschleichen, ehe sich das Klangbild zunehmend öffnete und die Feier ihren Lauf nahm. So bekam Haydns Oratorium etwas Andächtiges und es schien jene Frömmigkeit spürbar, die der Komponist selbst mit dem Werk verband.

Aus seinen Erinnerungen geht hervor, dass Haydn während der Arbeit an der "Schöpfung" täglich für eine glückliche Aufführung betete. Ob auch die Berliner jenes Gebet vor ihrer Reise nach Salzburg sprachen, ist nicht bekannt, doch lief das Orchester zu festlicher Höchstform auf und zeigte unter Harding seine ganze Farbpracht. Der Chor des Bayerischen Rundfunks, von Peter Dijkstra einstudiert, fügte sich mit klanglicher Geschlossenheit und leuchtender Präzision in dieses sorgfältig austarierte Tableau ein.

Für solistischen Genuss sorgte unter anderem Andrew Staples. Seine Stärken lagen vor allem in den leisen Passagen, die er mit warmer Tongebung und klaren Höhen ausstattete. Wenn er am fünften Tag den Lauf des Mondes beschrieb, wollte man sich von diesem Gesang geradezu in den Schlaf begleiten lassen. Ebenso sanft eröffnete er den dritten Teil mit dem Morgenlob. Louise Alder, die für Hanna-Elisabeth Müller eingesprungen war, gab ihre Eva mit schlankem und zugleich dunkel grundiertem Sopran. Konstantin Krimmel erwies sich als wahrer Geschichtenerzähler, der Walfische mit strengem Duktus beschwor und selbst dem "Gewürm" darstellerische Lust abgewann.

Im Anschluss an das Konzert wurde Krimmel dafür auch offiziell gewürdigt: Intendant Nikolaus Bachler und Schirmherrin Arabel Karajan überreichten ihm den Herbert-von-Karajan-Preis, der jährlich im Rahmen der Osterfestspiele an aufstrebende Künstlerinnen und Künstler vergeben wird und heuer mit insgesamt 50.000 Euro dotiert ist. Neben Krimmel wurden auch Jasmin White und Le Bu ausgezeichnet, die bereits am Freitag im "Rheingold" aufgetreten waren. Mit großem Jubel für die Preisträger, aber vor allem die Solisten, den Chor und das Orchester endete dieser festliche zweite Abend der Osterfestspiele.

(Von Larissa Schütz/APA)

(S E R V I C E - Joseph Haydns "Die Schöpfung" im Rahmen der Osterfestspiele Salzburg. Dirigent der Berliner Philharmoniker: Daniel Harding, Sopran: Louise Alter, Tenor: Andrew Staples, Bariton Konstantin Krimmel, Chor des Bayerischen Rundfunks. Das Konzert wird am 5. April wiederholt. www.osterfestspiele.at )

Zusammenfassung
  • Bariton Konstantin Krimmel wurde für seine herausragende Leistung mit dem Herbert-von-Karajan-Preis ausgezeichnet, der heuer mit insgesamt 50.000 Euro dotiert ist; auch Jasmin White und Le Bu erhielten diese Ehrung.
  • Das Konzert, das durch starke Solisten wie Louise Alder und Andrew Staples geprägt war, wird am 5. April erneut aufgeführt.