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"Dexter: New Blood": Serienmörder ein wenig aus der Übung

16. Nov 2021 · Lesedauer 4 min

Nur wenige Serien endeten so kläglich wie "Dexter". Showrunner Clyde Philips, der die glorreichen Jahre der ersten vier Staffeln kreierte, will das wieder gut machen. Acht Jahre nach dem achten Staffelfinale im Jahr 2013 kehrt Michael C. Halls sympathischer Serienmörder zurück und hat die Chance auf Erlösung. Das Ergebnis ist, zumindest bisher, ein wenig enttäuschend. Ab Montag ist die Serie bei Sky zu sehen.

Es ist schön, Dexter wieder zu begegnen. Er ist wie ein alter Freund, den man lange nicht gesehen hat. Aber die neunte Staffel der Showtime-Serie tut so, als wäre sie noch in der guten alten Zeit von einst, als schwierige, tragische Männer an der Tagesordnung im Fernsehen standen. Es gab so viele von ihnen, es gibt sogar ein Buch zum Thema mit dem Titel "Difficult Men". Einer von ihnen war der Serienmörder und Blutspurenanalytiker Dexter Morgan, den wir das letzte Mal sahen, als er gerade seine Schwester in einem Akt der Gnade getötet hatte, und ein Holzfäller in Oregon geworden war, nachdem er seinen Tod vorgetäuscht und irgendwie einen Hurrikan in Miami überlebt hat. Es gilt im Volksmund als eines der schlechtesten Serienfinale aller Zeiten.

Wir treffen Dexter zehn Jahre später wieder, wie er gerade in einer Latzhose mit einem Gewehr in der Hand durch den Wald rennt. Er hat ein Ziel im Visier, einen Hirsch, so weiß wie der Schnee um ihn herum. Er legt seinen Zeigefinger auf den Abzug - aber er kann nicht abdrücken. Der neue Dexter ist wie ein Junkie, der versucht, clean zu bleiben. Überall bieten sich ihm tödliche Gelegenheiten, aber bemerkenswerterweise hat er seit einem Jahrzehnt niemanden umgebracht. Im Sinne dieser neuen Serie wird sich das natürlich ändern. Es dauert nur eine Dreiviertelstunde bis Dexter rückfällig wird, bis seine Scheune mit Plastik ausgelegt ist und der legendäre innere Monolog aus dem Off erklingt: "Ich bin ein wenig aus der Übung", denkt er.

Er heißt jetzt nicht mehr Dexter Morgan, sondern Jim Lindsay (eine Anspielung auf den Schriftsteller, der die Figur in Büchern wie "Darkly Dreaming Dexter" geschaffen hat) und lebt in der erfundenen New Yorker Kleinstadt Iron Lake. Er arbeitet als Angestellter in einem Jagdgeschäft. Er lebt in einer bescheidenen Hütte, hält sich ein paar Ziegen und Hühner und ist mit der Polizeichefin der Stadt (Julia Jones) liiert. Der Geist seiner Schwester (wieder mit dabei: Jennifer Carpenter) hilft ihm dabei, "abstinent" zu bleiben. Das heißt, eigentlich nur so lange, bis ein Kerl in seinen Laden kommt, um ein Gewehr zu kaufen und den eingangs erwähnten Hirsch abknallt.

Das "neue Blut" im Titel der zehnteiligen "Special-Event"-Serie bezieht sich nicht nur auf seine neuen Opfer, sondern auch seinen Sohn Harrison (Jack Alcott), jetzt ein Teenager, der plötzlich auftaucht. Von da an folgt "New Blood" vielen der Muster des Originals, von denen keines besonders gewagt ist. So wie früher nimmt er eine Blutprobe seines Opfers, aber dann hält er inne. "Ich brauche keine Trophäen mehr", denkt er. "Ich mag ein Monster sein, aber ich bin ein sich entwickelndes Monster." Das verspricht eine neue Richtung, die sich in den ersten Folgen leider noch nicht abzeichnet. Stattdessen muss eine alte Frage neu beantwortet werden: Wird er erwischt werden?

Der ursprüngliche Dexter war eine ziemlich provokante Idee: ein Mörder, der zum Serienhelden kultiviert wurde. So gruselig Dexters Morde auch waren, Fans der Serie fanden ihn oft sympathischer als seine bösen Opfer. Er war der ultimative Antiheld in einer Zeit, als das Fernsehen nicht genug von diesen Männern bekommen konnte. In der Zwischenzeit ist viel in unserer Welt passiert. Schwierige Männer mussten sich in der Öffentlichkeit verantworten, und der Reiz, der einst von ihnen ausging, scheint irgendwie antiquiert zu sein.

Ohne alle zehn Folgen gesehen zu haben, ist es unmöglich, ein faires Urteil abzugeben. Es gibt immer noch genug, womit viele Fans ihre Freude haben werden, nicht zuletzt dem inzwischen 50-jährigen Michael C. Hall selbst, der seine ikonische Figur im Schlaf spielen kann. Sein sommersprossiges Bubengesicht hat jetzt vielleicht ein paar Falten mehr, aber die helfen eigentlich nur, sein kaum merkliches Grinsen noch schöner zu machen.

Quelle: Agenturen