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Defa-Star und Theaterikone Jutta Hoffmann ist 85

Heute, 05:00 · Lesedauer 3 min

Jutta Hoffmann hat geschafft, was nur wenigen Stars der DDR-Filmstudios Defa gelang: Sie blieb auch nach ihrer Ausreise aus der DDR eine erfolgreiche Schauspielerin, behielt ihre Fans im Osten und begeisterte gleichzeitig das Theater- und Filmpublikum im Westen. Heute feiert die Ausnahmekünstlerin ihren 85. Geburtstag.

Geboren wurde Hoffmann am 3. März 1941 in Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt. Nach einigen Jahren siedelte die Familie wegen der Anstellung des Vaters bei den Buna-Werken in das nahe Schkopau um. Dort spielte Hoffmann Theater in der Laiengruppe des "Plaste- und Elaste"-Werks - und hatte mit 16 in einem Film ihrer Schwester mit dem Titel "Ödes Schkopau einmal anders" eine erste Hauptrolle.

"Wenn man dann Teenager ist, weiß man dann einfach, dass man da nicht bleiben will", sagte Hoffmann kürzlich in einer "Lebensläufe"-Dokumentation im Fernsehen des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). "Schauspielerei, das wär's doch eigentlich", habe sie damals gedacht - und ihr Umfeld offenbar auch. "Allen war klar, dass ich Schauspielerin werde, allen."

So machte Hoffmann nach der Schule die Aufnahmeprüfung an der Theaterhochschule in Leipzig - doch weil damals Arbeiterkindern Vorrang gewährt wurde und ihr Vater Buchhalter war, wurde sie abgelehnt. Also ging sie 1959 an die Schauspielschule nach Potsdam-Babelsberg - und war enttäuscht. Als nach einem Jahr das Berliner Maxim-Gorki-Theater anklopfte und sie abwarb, sagte sie zu und brach die Schule ab, um Elevin an dem Haus zu werden.

Parallel zu ihren ersten Theatererfahrungen entdeckte die Defa Hoffmann als Filmschauspielerin. Dem "Rabauken-Kabarett" von 1961 sollten mehr als ein Dutzend weitere Defa-Filme folgen - anfangs oft mit ihrem ersten Ehemann Günther Zschoche als Regisseur. 1962, gerade zu Beginn von Hoffmanns Karriere, bekamen die beiden eine Tochter.

1965 folgte Hoffmanns erste wichtige Rolle in "Karla" als unangepasste Lehrerin. Doch der Film wurde wegen seines Plädoyers für die Meinungsfreiheit verboten - und erst nach dem Mauerfall 1990 uraufgeführt.

Eine glückliche Fügung

Ende der 60er-Jahre lernte Hoffmann den Regisseur Egon Günther kennen - eine glückliche Fügung für beide. Gemeinsam drehten sie Filme wie "Junge Frau von 1914" (1970), "Der Dritte" (1972) oder Hoffmanns Lieblingsfilm "Die Schlüssel" (1974). Ab Mitte der 70er-Jahre litt Hoffmann wie viele Künstler zunehmend unter den Repressionen in der DDR. 1975 wurde eine Theaterinszenierung des Stücks "Fräulein Julie" am Berliner Ensemble mit ihr in der Hauptrolle nach nur zehn Vorführungen abgesetzt.

Ein Jahr später folgte die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann, gegen die Hoffmann öffentlich protestierte. Der Fernsehfilm "Geschlossene Gesellschaft" (1978) mit Hoffmann und Armin Mueller-Stahl in den Hauptrollen wurde nur nachts ausgestrahlt, der Kinofilm "Das Versteck" (1978), in dem sie an der Seite von Manfred Krug zu sehen war, kaum gezeigt.

Salzburger Festspiele als Weg in den Westen

1982 erhielt Hoffmann eine Arbeitserlaubnis für die Salzburger Festspiele - und blieb im Westen. Sie spielte an den Münchner Kammerspielen, später jahrelang am Hamburger Schauspielhaus - und begeisterte die Theaterwelt im Westen. Filme machte sie nur noch vereinzelt. 1997 spielte sie in "Bandits" eine von vier Gefängnisinsassinnen, die eine Band gründen. 2016 war sie als Obdachlose im viel gelobten ARD-Film "Ein Teil von uns" zu sehen.

Bereits seit 2005 lebt Hoffmann mit ihrem Ehemann Nikolaus Haenel, mit dem sie einen Sohn hat, in Potsdam. Schon länger beklagt sie, dass es kaum noch Rollen für Frauen über 70 gebe. "Uns braucht man nicht", sagte sie 2021 im MDR-Radio. "So wie man die Defa nicht brauchte - die gesamte Defa-Mannschaft geht hier in Potsdam spazieren." Dabei hätte sie noch eine Idee für einen Film, wie Hoffmann 2026 in der Fernsehdokumentation verriet: "Ich muss nur die finden, die ihn aufschreiben und produzieren."

Zusammenfassung
  • Die Schauspielerin Jutta Hoffmann, geboren am 3. März 1941 in Halle an der Saale, feiert heute ihren 85. Geburtstag und zählt zu den wenigen Defa-Stars, die auch nach ihrer Ausreise aus der DDR im Westen erfolgreich waren.
  • Ihr Durchbruch gelang ihr in den 1960er Jahren mit Filmen wie 'Karla' (1965), der wegen seines Plädoyers für Meinungsfreiheit erst 1990 uraufgeführt wurde, und sie engagierte sich öffentlich gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns.
  • 1982 erhielt sie eine Arbeitserlaubnis für die Salzburger Festspiele und blieb daraufhin im Westen, wo sie an bedeutenden Theatern spielte und bis heute in Potsdam lebt.