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Das Philosophicum Lech denkt über den Hass nach

19. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Das Philosophicum Lech tagt heuer zum Thema "Der Hass. Anatomie eines elementaren Gefühls". Nach einem literarisch-philosophischen Vorabend und einer Dialogveranstaltung diskutieren von 22. bis 25. September namhafte Fachleute transdisziplinär rund um diesen Themenkreis. Höhepunkte sind die Verleihung des Essay-Preises "Tractatus" an Marie Luise Knott sowie die Präsentation eines Jubiläumsbands anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Symposiums in der Arlberg-Gemeinde.

Hasspostings in sozialen Medien, Hate Speech und Hassprediger - Hass ist heute allgegenwärtig. "In der Ablehnung von Hass und Hetze sind sich alle einig. Aber selten wird gefragt, was Hass eigentlich für ein Gefühl ist, aus welchen Quellen es sich speist, was das Aggressive, Verletzende und Verstörende am Hass ausmacht, aber auch, was das Befriedigende, vielleicht sogar Lustvolle am Hass sein kann", so Konrad Paul Liessmann als wissenschaftlicher Leiter des Philosophicum in seinem Editorial. Zu oft werde vergessen, dass Hass die Kehrseite der Liebe sei. Eine rasche Verurteilung verkenne, dass es sich beim Hass um ein elementares Gefühl handle, das in seiner Destruktivität auch produktive Energien freizusetzen wisse.

Als Referenten und Referentinnen geladen sind der Psychiater Reinhard Haller, die deutschen Philosophen Christoph Demmerling, Hilge Landweer, Barbara Zehnpfennig und Ingrid Vendrell Ferran, der aus Kabul stammende Philosoph und Islamwissenschafter Ahmad Milad Karimi, der Jugendkulturforscher Bernhard Heinzlmaier, die Journalistin Svenja Flaßpöhler, der in Wien lehrende Rechtsphilosoph Alexander Somek sowie der Medienwissenschafter Bernhard Pörksen.

Den Auftakt bilden nach ihrer Premiere im Vorjahr auch 2022 wieder die vom Tagungsthema unabhängigen "Philosophicum Dialoge". Zwei Podiumsrunden erörtern dabei am Dienstag die "Zeitenwende - Wendezeit: Europa im Umbruch". Am Mittwochabend beleuchten Liessmann und Philosophicum-Mitbegründer Michael Köhlmeier eine "Zeit zu lieben, Zeit zu hassen", anschließend wird der Band "Der Geist im Gebirge" anlässlich des 25-jährigen Bestehens vorgestellt. Herausgeber Konrad Paul Liessmann wählte dafür Beiträge der Jahresthemen - vom ersten Philosophicum Lech 1997 bis heute - aus.

Die Eröffnung findet am Donnerstagabend statt, dazu werden unter anderen Staatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) und Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) erwartet. Ein Highlight der Veranstaltung ist die Verleihung der mit 25.000 Euro dotierten Essay-Auszeichnung "Tractatus" an die deutsche Autorin, Kritikerin und Übersetzerin Marie Luise Knott, die den Preis exemplarisch für ihr Werk "370 Riverside Drive, 730 Riverside Drive. Hannah Arendt und Ralph Ellison" erhält. Die Laudatio hält die Schweizer Philosophin Barbara Bleisch, zudem wird ein eigens für diesen Anlass komponierter Streicher-Trio-Satzes von Marcus Nigsch uraufgeführt.

(S E R V I C E - 25. Philosophicum Lech. "Der Hass. Anatomie eines elementaren Gefühls". Lech am Arlberg, 20. bis 25. September. Weitere Informationen unter www.philosophicum.com)

Quelle: Agenturen