APA/APA / Landestheter Linz/Barbara Pálffy

"Catch me if you can" als starke Musical-Show in Linz

04. Dez. 2022 · Lesedauer 4 min

Das Musical "Catch me if you can" am Linzer Musiktheater beginnt mit einer Verhaftung und endet mit derselben Szene. Dazwischen inszeniert der Hochstapler Frank Abagnale jr. seine überzeugende Show, die ihm nur manchmal vom FBI-Agenten Carl Hanratty gestohlen wird. Viel Applaus und Standing Ovations waren der Lohn für die ausgezeichnete Leistung des gesamten Teams bei der Premiere am Samstagabend.

Die Geschichte von Frank Abagnale jr. - 2002 verfilmt von Steven Spielberg mit Leonardo Di Caprio, 2011 als Musical am Broadway uraufgeführt, in Europa erstmals 2013 in den Wiener Kammerspielen zu sehen - ist hinlänglich bekannt. Der junge Scheckbetrüger und gewiefte Hochstapler trieb in den 1960er-Jahren sein Unwesen rund um den Globus, wurde gefasst, arbeitete nach verkürzter Haft für das FBI und gründete eine Sicherheitsfirma.

Französischlehrer, Pilot, Arzt, Anwalt - Frank Abagnale jr. kann alles sein, denn: "Einen Weg gibt es immer" und "Die Leute glauben, was man ihnen erzählt", macht man das nur überzeugend genug. Das lernt er bereits als Teenager von seinem Vater. Assoziiert man das mit der aktuellen Politik und von "alternativen Fakten" überschwemmten Gesellschaft, verliert das Stück zwar seinen charmanten Gauner-Charakter, gewinnt aber erschreckend an Aktualität. Betrug bleibt Betrug, egal wie intuitiv und bestechend er vorgetragen wird, egal wie gut die Show ist, muss zumindest Frank bitter erkennen. "Ihr sperrt mich ein, holt mich raus und bezahlt mich dann für das, wofür ihr mich eingesperrt habt", gibt es aber auch hier einen - absurden - Weg.

Gernot Romic ist ein überzeugender Hochstapler, ein herrlicher Scheiß-dir-nix, bleibt aber immer der Bursche, der eigentlich nur will, dass seine getrennten Eltern sich aussöhnen. Sein Counterpart Karsten Kenzel, als FBI-Agent Hanratty mehr Columbo denn James Bond, erspielt sich alle Sympathien. Mit einem aufsässigen Team - herrlich: Lukas Sandmann, Christian Fröhlich, Joel Parnis - gesegnet, verbissen in den Fall und den Betrüger auch bewundernd, heimst er viel Applaus für etliche starke Szenen ein; am besten sind beide Hauptfiguren gemeinsam, etwa bei der ersten Begegnung in Abagnales Hotelzimmer, als der sich als Clark Kent vom Secret Service ausgibt. Regisseur Ulrich Wiggers lässt die Vater-Sohn-ähnliche Beziehung der beiden langsam entstehen, sie gipfelt im finalen Duett "Seltsam aber wahr".

Daniela Dett und Nicolas Tenerani glänzen als Franks Eltern. Sie gibt die entzückende Französin, die einst Frank Abagnale sen. erlag, sich schließlich mit dessen Freund tröstet und scheiden lässt. Frank senior gibt sich gekränkt dem Abstieg hin - stolz auf den Junior, der die erlernten Gaunereien perfektioniert. Celina dos Santos tritt als aufrichtige Krankenschwester Brenda Strong spät auf die Bühne und gewinnt nicht nur das Herz des Hauptdarstellers sondern auch des Publikums: Bravo-Rufe für ihr Solo "Flieg, flieg ins Glück".

Das Ensemble überzeugt mit mitreißenden Tanz- und Gesangsszenen, etwa gleich am Anfang bei "Live und ganz in Farbe". Franz Blumauer hat alle wunderbar ausstaffiert mit psychedelischen 1960er-Kostümen, im Mondrian-Look, als Stewardessen sowie Krankenhauspersonal, nicht zu vergessen auf die Superhelden-Szene, in der Spiderman kopfüber von der Decke baumelt.

Leif-Erik Heine schafft schöne, eindrückliche Bilder und oft fast kitschige Stimmungen - etwa mit glitzerndem Schnee vor einer winterlichen Kulisse. Die Drehbühne wird, mit einer großen Stiege als Hauptelement, vielseitig genutzt. Sie verwandelt sich in Wohnzimmer, Bar, Kinderzimmer und stets Aussichtsfenster, flankiert von Aus- bzw. Eingängen wie am Airport, deren Plattformen oben als FBI-Büros und Brendas Zimmer fungieren.

Wiggers inszeniert die drei Stunden - mit Pause - rasant, lässt in der bunten Show aber auch Platz für eindringliche Szenen und sogar wenige stille Momente. Dezente Längen hier und dort sind wohl dem Buch geschuldet, nach der Pause nimmt die Geschichte Fahrt auf, auch die Musik wird vielschichtiger. Sicher begleitet wird die Handlung vom Bruckner Orchester Linz unter Juheon Han mit Swing- und Big-Band-Sound.

Nicht nur Kostüme und Requisiten verorten die Handlung in den 1960er-Jahren, auch das Frauenbild ist ein vergangenes, wenngleich Männer im Ensemble, weibliche Superhelden und Glitzer-Toy-Boys für Paula Abagnale ein Gegengewicht zu schaffen suchen.

(S E R V I C E - "Catch me if you can" von Terrence McNally, Marc Shaiman und Scott Wittman. Mit u.a. Gernot Romic, Karsten Kenzel, Nicolas Tenerani, Daniela Dett, Celina dos Santos. Regie: Ulrich Wiggers; Musikalische Leitung: Juheon Han; Choreografie: Jonathan Huor, Bühne: Leif-Erik Heine, Kostüme: Franz Blumauer; Musiktheater Linz, weitere Vorstellungen: 8., 14., 22., 26. Dezember 2022, 1., 11., 19., 20. Jänner 2023, Karten: www.landestheater-linz.at)

Quelle: Agenturen