APA - Austria Presse Agentur

BWM Architekten verpassten Papyrusmuseum neues Outfit

28. Apr 2021 · Lesedauer 4 min

Es war ein schon länger angedachtes Projekt, das durch den ersten Corona-Lockdown entscheidenden Anschub bekam: Das 1999 in einem Untergeschoß der Neuen Burg eröffnete Papyrusmuseum erhielt einen Relaunch, der die 2001 in das "Memory of the World"-Register der UNESCO eingetragene Sammlung in ein neues Licht rückt, besser kontextualisiert und digitale Medien in die Präsentation mit einbezieht. Ab Dienstag sind dort rund 400 originale Objekte aus rund 3.100 Jahren zu sehen.

"Es war eine Expeditionsreise in ferne Zeiten und ferne Länder, durchgeführt vor dem Computer im Homeoffice", beschrieb Architekt Johann Moser von BWM Architekten, die für die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) bereits das Literaturmuseum sowie das Haus der Geschichte Österreich gestaltet haben, bei der heutigen Pressepräsentation die erst vor einem Jahr gestarteten konkreten Arbeiten. "Unser Reisebudget war beschränkt." Die laut Johanna Rachinger, Generaldirektorin der ÖNB (zu der die Papyrussammlung gehört), investierten 700.000 Euro sind gut angelegt. Nichts zuletzt sind die Vitrinen für die uralten Exponate state of the art und mit Medientisch, einigen Screens mit digitalen Zusatzangeboten und einem auch via QR-Code abrufbaren bzw. downloadbaren Audioguide auf Deutsch, Englisch und für Gehörlose sind die Ende des 19. Jahrhunderts durch Erzherzog Rainer angekauften alten Stücke nun auch in der Präsentation im 21. Jahrhundert angekommen.

Mit 300 Quadratmetern gibt es nun etwa um die Hälfte mehr Ausstellungsfläche als zuvor, außerdem konnte ein rund 30 Quadratmeter großer Raum zusätzlich genutzt werden, so dass nun auch einen erweiterter Kinderbereich für das Vermittlungsprogramm zur Verfügung steht. In einer Art Grabkammer, einem Erlebnisraum zum antiken Totenkult, warten Reliefs, mittels derer etwa der berühmte Stein von Rosette per selbst vorgenommener Frottage mit nach Hause genommen werden kann. Die Farbgestaltung soll laut Moser atmosphärisch aus der Finsternis ins Licht und in die Wüste führen, denn die hier mittels antiker und mittelalterlicher Texte präsentierten Informationen können eine wichtige Frage beantworten: "Wie haben die Menschen im alten Ägypten gelebt?"

Dank ihrer mehr als 180.000 Objekte zählt die Papyrussammlung zu den weltweit bedeutendsten Institutionen auf ihrem Fachgebiet, und stolz erzählte Bernhard Palme, Direktor des Papyrusmuseums und Universitätsprofessor für Papyrologie an der Uni Wien, von der im internationalen Vergleich ausgezeichneten personellen und finanziellen Ausstattung seiner Abteilung, in der etwa dank hoher Drittmittel auch ein Digitalisierungsprojekt vorangetrieben wird. Die einst auf antiken Müllhalden gelandeten Texte in vielen Sprachen können laut Palme in drei Kategorien eingeteilt werden: literarische Schriften ("quasi die Taschenbücher des Alten Ägypten"), religiöse Schriften, inklusive vieler Dokumente des Volksglaubens, aber auch zu den drei Buchreligionen Christentum, Judentum und Islam, sowie Schriften des Alltags vom behördlichen Schriftverkehr bis zum Einkaufszettel.

"Man kann die Menschen der Antike in diesen Texten sprechen hören. Das macht ihre Faszination aus", schwärmte Palme, der aber auch zugab: "Ein Text sieht dem anderen sehr ähnlich. Die Bedeutung liegt in ihren Inhalten." Der neuen Ausstellungsgestaltung ist es gelungen, diese sichtbar zu machen, ohne auf Infotainment zu setzen. Wer aber von der Begeisterung und vom großen Fachwissen Palmes profitieren möchte, dem seien die kostenlosen Onlineführungen empfohlen, die er und Kuratorin Angelika Zdiarsky schon vor der Eröffnung am kommenden Wochenende anbieten.

Viele neue Forschungsergebnisse und "eine ganze Reihe von neuen Texten" seien in die neue Präsentation eingeflossen, erzählte Bernhard Palme. Selbstverständlich weiter gezeigt wird aber das älteste Sammlungsstück der ÖNB: Das sechs Meter lange farbig gestaltete Totenbuch des Sesostris ist mehr als 3.400 Jahre alt. Es wird direkt über dem ebenfalls eindrucksvollen Totenbuch der Taruma präsentiert. Dass zwischen den beiden ähnlich wirkenden Objekten über 1.000 Jahre Menschheitsgeschichte liegen, macht den Betrachter ein wenig sprachlos.

Rund 30.000 Besucher wurden laut Rachinger vor Corona jährlich im Papyrusmuseum gezählt. Die Neupräsentation hätte es sich verdient, dass es nach Corona deutlich mehr werden. Und im kommenden Jahr plant man dann auch wieder eine Sonderausstellung: "Halbmond über dem Nil". Damit niemand glaubt, es gäbe dann im Papyrusmuseum nicht mehr Neues unter der Sonne.

(S E R V I C E - www.onb.ac.at)

Quelle: Agenturen