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Bloéb mit Attacke auf "Woke-Blase"

27. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Der Schauspieler und Neo-Intendant der Tiroler Volksschauspiele in Telfs, Gregor Bloéb, hat die aktivistische Woke-Bewegung als "spießig" und "faschistoid" bezeichnet. In Kunstfragen neige diese "Blase" zu Mittelmaß und Kleinbürgerlichkeit, während ihm ein "Theater für die Naturinstinkte" wichtig sei, bei dem urmenschliche Konflikte verhandelt werden sollen. "Unter meiner Intendanz soll das Theater und die Kunst schlichtweg alle berühren", sagte er im APA-Gespräch.

Denn die Kunst habe sich insgesamt gegenwärtig zu einem guten Teil "bereits von den Menschen entfernt und getrennt", erklärte Bloéb. Das Theater etwa dürfe aber auf keinen Fall eine "Art von Geheimsprache" für ein erlesenes Publikum sein. Wenn also viele Theater in Österreich derzeit halbleer blieben, dann läge das auch an der Art und Weise des Theatermachens: "Viele Themen bedienen dort eben nur die eigene Blase."

Er selbst wolle hingegen verstärkt wieder "Normalbürger" und auch Jugendliche in den Vorstellungen sehen: "Es geht mir um ein großes Miteinander, um den Austausch, um das Gemeinsame." Anzustreben sei dabei deshalb ein "blasenfreier Raum für alle", so Bloéb. "Darum binde ich auch ganz bewusst die Tiroler Subkultur mit ein und beende das Festival mit einem Konzert des Wiener Rappers Yung Hurn."

Überhaupt gehe es ihm um das "Handfeste und Konkrete", meinte der Schauspieler. "Es reicht garantiert nicht mehr, dass die Kunst nur imaginäre Räume schafft und der Gesellschaft welche Spiegel auch immer vorhält." Deutlich wichtiger sei es nämlich, dass "Kunst wieder dem Volk gehört", es nach der Vorstellung einen Austausch gebe und dass sich generell möglichst viele unterschiedliche Menschen "Kultur aneignen".

Die angestrebte "Blasenfreiheit" des eigenen Tun und Wirkens in Telfs erstrecke sich übrigens auch auf die eigene Familie. "Ich wollte Tobias und meine Frau Nina nicht gleich in der ersten Spielsaison mit einbinden", strich er heraus. Die Einbindung der beide erfolge in Zukunft eher "auf Anfrage" und falls es tatsächlich Stücke gebe, die praktisch nach dem Schauspiel der beiden verlangten.

Wesentlich mehr als das Nachdenken über große Namen treibe ihn aber ohnehin die Frage nach "künstlerischen und menschlichen Überlebensstrategien" an. "Im Moment ist eigentlich alles Arsch", sagte Blóeb. Gerade deshalb müsse man aber etwas tun und handeln: "Es braucht diese ganz konkreten Kultur-Orte und Utopien, die anders als die Welt sind." Für ihn gelte jedenfalls die Formel "Scheiße plus X", konstatierte der Volksschauspiele-Intendant. "Die Kunst, das eigene Tun, das ist im Moment das so entscheidende X."

Quelle: Agenturen