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Billy Talent finden Spaltung der Gesellschaft "augenöffnend"

30. Jan. 2022 · Lesedauer 3 min

Private wie gesellschaftliche Ereignisse hat die kanadische Rockband Billy Talent auf ihrem aktuellen Album "Crisis of Faith" verarbeitet. Naturgemäß beeinflusste auch die Pandemie die Arbeit. "Hinter uns liegen zwei Jahre mit einem Raus und Rein in die Isolation. Das hat bei vielen Menschen negative Gedanken bewirkt", sagte Bassist Jonathan Gallant im APA-Interview. "Die Spaltung der Gesellschaft war ein erschreckendes und augenöffnendes Erlebnis."

"Wenn Normalität einkehrt, die Leute wieder Kontakte pflegen und nicht mehr so alleine sind, dann verschwinden diese negativen Gedanken vielleicht", hofft der Musiker. "Die Situation derzeit ist unheimlich, aber ich glaube, die Menschen kommen wieder zusammen. Vielleicht sehen in ein paar Jahren die Leute aus einer ganz anderen Perspektiv auf diese Zeit zurück", gab sich Gallant optimistisch.

Nach seiner private Erfahrungen mit der Pandemie befragt, antwortete Gallant: "Alles, was ich liebe, konnte ich nicht mehr tun - üben mit meiner Band oder auftreten. Ich spiele dreimal in der Woche Hockey, das ist neben der Musik meine zweite Leidenschaft, auch das war nicht möglich. Dann kam die Unsicherheit dazu, wie es weitergeht, was mit meiner Karriere passiert. Die zweite Welle war schlimmer als die erste, weil man dazwischen schon auf etwas Normalität hoffen durfte. Meine Frau ist großartig, sie hat mir Rückhalt gegeben. Für sie war der Lockdown weniger schlimm, weil die Familie über lange Zeit zusammen war."

Musik bringe die Leute zusammen, meinte der Bassist, auch darum könne er es gar nicht erwarten, wieder auf Tournee zu gehen. "Wien ist meine Lieblingsstadt in Europa. Ich hatte schon Angst, dass ich nie mehr dorthin komme", sagte Gallant, der mit Billy Talent am Nova Rock (9. bis 12. Juni) in Nickelsdorf eingeplant ist.

Dass Festivals in Zukunft weiter möglich sind, davon gab sich der frisch geboosterte Gallant überzeugt: "Ich denke, wenn wir jene, die noch nicht geimpft sind, zum Impfen bewegen, dann werden wir lernen, mit Covid zu leben." Und mit welchem Gefühl wird man nach Monaten des Rückzugs vor oder in riesigen Menschenmassen stehen? "Die jungen Leute, die Festivals besuchen, werden mit einer ganz anderen Denkweise ins Leben zurückkehren als ein 46 Jahre alter Mann mit drei Kindern, so wie ich es bin. Ich mache mir sicher mehr Gedanken und bin vielleicht auch etwas paranoid. Aber ich freue mich auf die Shows."

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - https://billytalent.com; www.novarock.at)

Quelle: Agenturen