Belvedere zeigt reale Landschaften von Waldmüller
"Ferdinand Georg Waldmüller - Nach der Natur gemalt" soll die Bedeutung der realistischen Naturdarstellung in seinem Werk näher bringen und in den Kontext mit anderen europäischen Vertretern der Landschaftsmalerei stellen, sagte Kuratorin Arnika Groenewald-Schmidt. Die einzelnen "Kapitel" der Schau beschäftigen sich u.a. mit "Tradition und Innovation" oder der Wechselwirkung von "Kunst und Tourismus" in jener Zeit.
Von keinem Künstler besitzt das Belvedere mehr Werke als von Waldmüller, betonte Generaldirektorin Stella Rollig. "In der Haussammlung befinden sich nicht weniger als 80 (seiner) Gemälde." Die Schau "Nach der Natur gemalt" zeigt 64 Werke, darunter 48 Waldmüller-Exponate, von denen 27 aus der Belvedere-Sammlung stammen. Eines wird schnell klar: Waldmüllers Landschaftsansichten sind auch heute noch sehr zugänglich.
1793 in Wien geboren, lebte und arbeitete Waldmüller nach dem Studium an der Akademie der bildenden Künste zunächst an mehreren Orten (u.a. als Dekorationsmaler in Agram/Zagreb). 1829 wurde er zum Kustos der Gemäldesammlung der Wiener Akademie ernannt, 1835 zum ordentlichen akademischen Rat. In seinem Schaffen verschrieb sich Waldmüller der Wiedergabe der Realität - was beim Publikum gut ankam, in der Akademie aber auf Widerstand stieß, berichtete Groenewald-Schmidt.
Die Landschaftsmalerei gelangte im 19. Jahrhundert europaweit zur Blüte, Waldmüller war nicht nur Teil dieser Entwicklung, er prägte sie mit. Das Motto "Wirklichkeitstreue" verband viele progressive Kunstschaffende über Landesgrenzen hinweg. Generell wuchs, bedingt durch politische Umbrüche und voranschreitende Industrialisierung, das Interesse, mehr in der Natur zu sein und sie sich in Form von Bildern in die Wohnung zu holen. Während Adel und Kirche jahrhundertelang Gemälde mit religiösen und historischen Themen in Auftrag gaben, zogen bürgerliche Sammler plötzlich Motive mit Bezug zur Gegenwart vor.
Die reale Landschaft als Bildmotiv diente Waldmüller zunächst rein als Hintergrund. In den 1830er-Jahren rückte er die Natur auch in den Vordergrund, es entstanden zahlreiche in ihrer Wirklichkeitsnähe bestechende Ansichten. Von da an spielte die Landschaft eine entscheidende Rolle in Waldmüllers Schaffen und begleitete ihn bis an sein Lebensende. In der Schau werden ihm Zeitgenossen wie Jean-Baptiste Camille Corot, John William Inchbold oder John Constable gegenübergestellt.
Kooperation mit National Gallery
Waldmüller prägte nachhaltig: "Der Realismus, für den Waldmüller heute steht, hat die Künstler und Künstlerinnen der Secession ganz besonders beeindruckt", nannte Rollig als Beispiel. Die Akademie war seinerzeit weniger angetan von Waldmüllers Drängen auf Erneuerung und seine Reformvorschläge. 1857 wurde er mit halben Bezügen entlassen. Gegen Ende seines Lebens kämpfte der Künstler mit finanziellen Schwierigkeiten, von der Akademie wurde er kurz vor seinem Tod 1865 rehabilitiert.
Für die Schau kooperierte das Belvedere mit der National Gallery in London, die wiederum im Sommer 2026 Waldmüller die erste Ausstellung in Großbritannien widmet. Für "Landscapes" stellt das Belvedere den Großteil Werke zur Verfügung.
(S E R V I C E - "Ferdinand Georg Waldmüller - Nach der Natur gemalt" im Unteren Belvedere, Rennweg 6, 1030 Wien, 27.2.-14.6., täglich 10 bis 18 Uhr; Katalog herausgegeben von Stella Rollig und Arnika Groenewald-Schmidt, Verlag der Buchhandlung König, 36 Euro, www.belvedere.at )
Zusammenfassung
- Das Untere Belvedere zeigt ab 27. Februar die Ausstellung "Ferdinand Georg Waldmüller - Nach der Natur gemalt" mit 64 Werken, darunter 48 Gemälde des Künstlers, von denen 27 aus der eigenen Sammlung stammen.
- Waldmüller gilt mit seinen realistischen Landschaftsdarstellungen als prägender Vertreter des 19. Jahrhunderts, dessen Fokus auf Wirklichkeitstreue beim Publikum beliebt war, aber in der Akademie auf Widerstand stieß.
- Das Belvedere kooperiert für die Schau mit der National Gallery London, die 2026 erstmals eine Waldmüller-Ausstellung in Großbritannien zeigt, und stellt dafür den Großteil der Werke zur Verfügung.
