APA - Austria Presse Agentur

Ballett für Scheinwerfer: Volkstheater Wien probt "Der Raum"

17. Jan 2021 · Lesedauer 2 min

Keine Schauspieler auf der Bühne. Keine Mono- oder Dialoge. Und auch fast keine Zuschauer. Und doch ist es Theater, was sich am Samstag, dem Tag vor der erwarteten Verlängerung der Lockdown-Bestimmungen, im leeren Volkstheater Wien abspielt. Technische Durchläufe von "Der Raum", einer der Eröffnungsproduktionen, sollen für reibungsloses Einspielen der Bühnentechnik sorgen. Und rasch ist dem Besucher klar: Der neue Direktor Kay Voges hat ordentlich aufgerüstet.

"Der Raum" ist ein "szenisches Gedicht für Beleuchter und Tontechniker" von Ernst Jandl, 1970 erstmals veröffentlicht, 1973 uraufgeführt an der Studiobühne Villach. Es ist ein Ballett für Scheinwerfer, das ein wenig an Maschinentheater-Aufführungen bei der Ars Electronica oder dem steirischen herbst erinnert, aber auch etwas von einer jener Technik-Leistungsschauen hat, die in vielen Theatern bei "Tagen der offenen Tür" zum fixen Programm-Repertoire gehören. Für Jandl war es die Übertragung der konkreten Poesie auf das Theater: einen einzelnen Aspekt des Theaters, nämlich seine räumliche Erfahrung, in den Mittelpunkt zu stellen. In Zeiten, in denen überall die Bühnen und Zuschauerräume gezwungenermaßen leer sind, das Welttheater auf fast der ganzen Welt die Pausentaste gedrückt hält, bekommt die Verwirklichung der gerade einmal zehnseitigen und in 51 Punkte gegliederten Partitur Jandls naturgemäß eine neue Bedeutung.

Die von Jandl imaginierten Lichtpunkte und Lichtstreifen werden in Voges' Einrichtung zu knallharten Statements, bei denen die Ton- und Licht-Einsätze präzise konzertiert sind (Sounddesign: Michael Sturm, Lichtdesign: Paul Grilj). Schon als Theaterleiter in Dortmund hatte er auf zeitgemäße Technik-Ausstattung Wert gelegt. Nun kann man nach Beendigung der aufwendigen Renovierungs- und Umbau-Arbeiten konstatieren: "Der Raum" zeigt, dass der Raumklang funktioniert. "leer" ist der zunächst nur aus "xxxx" bestehende erste Text, der auf der Bühne erscheint. "bleibt leer" wird später folgen, und: "ist leer geblieben". Eine ernüchternde, ja deprimierende Botschaft.

Für Voges, der zuletzt an den 29. Jänner als Premiere glaubte und sein Startprogramm wohl erneut verschieben und verändern muss, ist diese auch mit Bühnennebel, Windmaschine und Sprühlicht angereicherte Aufführung "eine Meditation über die Bühne als Möglichkeitsort", die mitunter "klingt, als hätte Jandl in den 70ern schon die Pandemie vor Augen gehabt". Er kann sich vorstellen, die 30-minütige Choreografie in den ersten Tagen nach einer Lockdown-Lockerung in einer Art Endlosschleife im Theaterraum durchlaufen zu lassen - quasi eine theatrale Neuauflage des Nonstop-Kinos, die man jederzeit betreten und verlassen kann. Schlimmstenfalls tanzen die Scheinwerfer vor leeren Reihen. Aufführungen ohne Schauspieler und ohne Publikum: Hoffentlich ist das nicht die neue Normalität des Theaters.

Quelle: Agenturen