APA - Austria Presse Agentur

"Auf Kante": Ausstellung von Maja Vukoje im Belvedere 21

07. Dez 2020 · Lesedauer 4 min

"Auf Kante" - der Titel der ab morgen, Dienstag, zugänglichen Ausstellung von Maja Vukoje im Belvedere 21 ist vieldeutig wie nahezu alles an dieser Personale der Wiener Künstlerin, die in den vergangenen Jahren u.a. mit dem "outstanding artist award" (2015) und dem Preis der Stadt Wien (2020) ausgezeichnet wurde. Knapp genäht, knapp gerechnet, vieles ist an der Kippe - so erläutert Vukoje den Titel. Manches Jutebild ist tatsächlich über die Kante einer Stellwand geworfen.

Zu sehen sind gemeinsam mit Kuratorin Luisa Ziaja zusammengestellte 102 Arbeiten aus den vergangenen 15 Jahren, die meisten aus der jüngsten Vergangenheit. Coronabedingt wurde diese bisher umfassendste Ausstellung der 1969 in Düsseldorf geborenen Künstlerin, die in Belgrad aufwuchs und an der Hochschule für angewandte Kunst Wien bei Maria Lassnig und Christian Ludwig Attersee Malerei studierte, mehrfach verschoben. "Ich habe die Zeit produktiv nützen können. Die Zeit hat der Ausstellung gut getan. Ich habe immer wieder an ihr gefeilt. Nun finde ich: Das sitzt. Das funktioniert", erzählt Vukoje im Gespräch mit der APA. "Aber die erste Idee hat Bestand gehabt."

Die Idee war, den Raum des ehemaligen Karl-Schwanzer-Pavillons dialogisch zu nutzen, Malerei und Architektur im ersten Stock des Gebäudes aufeinander wirken zu lassen. Am augenfälligsten ist das bei einer mehrteiligen ortsspezifischen Installation, bei der industriell vorgefärbte Jutebahnen in die Gliederung der Innenfassade eingepasst und auch von außen wahrnehmbar sind. Die luftige, bunte Intervention bezieht sich auf die ikonische Serie "Homage to the Square" des deutschen Malers Josef Albers (1888-1976). Nichts in Vukojes Werk ist ohne mehrfache Referenzen und Bezüge. Dazu zählt auch die Verwendung von grober Jute als Bildträger und von Zucker, Kaffee oder Kakao als Sujet oder auch als Malsubstanzen. Ebenso gerne verzichtet sie auf Pigmente und verwendet stattdessen Bleichmittel. Sie verwende "ein breites Vokabular an Maltechnik", sagt die Künstlerin.

Möchte sie mit ihrem Zitieren und Verwenden von Gegenständen des globalen Warenverkehrs, die auch auf eine kolonialistische Vorgeschichte verweisen, auch gesellschaftskritische Aspekte einbeziehen? Das sei ihr zu kurz gedacht, erwidert Maja Vukoje: "Die heutige Kunstwelt ist ohne Globalisierung natürlich gar nicht zu denken. Und Reflexion über das Medium selbst ist immer auch eine Auseinandersetzung mit ökonomischen und historischen Zusammenhängen. Aber in erster Linie geht es um Material und Malerei. Kunst ist zweckfrei - und kein politischer Aktivismus. Aber gerade durch ihre Zweckfreiheit ermöglicht sie eine Reflexion." Dass Kunst politisch in Corona-Zeiten als Zeitvertreib und Stimmungsaufheller eingeordnet werde, irritiert sie in hohem Maße.

"Maja Vukoje. Auf Kante" jedenfalls funktioniert als Denk-Maschine, für die der Beipacktext (der Katalog hat 256 Seiten, zusätzlich erscheint ein Booklet) hilfreich ist. Auch wenn Sätze wie "Maja Vukoje beschäftigt sich in ihrer Malerei mit kultureller Hybridität und Transkulturalität als Grundbedingungen unserer globalisierten Lebenswelten" nicht jedermanns Sache sind. Vukoje selbst betont das modulare System, bei dem nicht chronologisch oder thematisch, sondern assoziativ gearbeitet wurde, und möchte gar keine speziellen Arbeiten hervorheben. Ein großes Kartoffelbild, bei dem biometrische Bezugspunkte eingearbeitet wurden, sticht allerdings ebenso heraus wie eine gemalte Geschäftsfassade. "Gesellschaft für Energie - Arbeit und Kunst" steht über dem Portal. Ein Rätselbild, das durch die Erklärungen der Künstlerin Tiefe und Witz entfaltet.

Dieses Portal habe es in unmittelbarer Umgebung ihres Ateliers in Wien-Brigittenau tatsächlich so gegeben, nie sei sie dahintergekommen, welche geheimnisvolle Gesellschaft dort Quartier genommen habe, erzählt sie lachend. In die nahezu fotorealistisch gemalte Auslage hat sie einige kunsthistorische Bezugspunkte eingearbeitet: Ein Spätwerk von Willem de Kooning, eine präkolumbianische Skulptur, eine Referenz an Max Ernst. "Es ist ein Meta-Bild, ein Bild in Bild" sagt sie. "Es zeigt Kunst als Referenz- und Wertesystem." Und damit als glattes Gegenteil zum (wie in einer Covid-19-Verordnung) zwischen Paintballanlagen und Freizeitparks angesiedelten bloßen Zeitvertreib. "Kunst verdient Respekt", sagt Vukoje. In ihrer Ausstellung fordert sie ihn unmissverständlich ein.

(S E R V I C E - "Maja Vukoje. Auf Kante", Ausstellung im Belvedere 21, 1030 Wien, Arsenalstraße 1, 8. Dezember 2020 - 23. Mai 2021, Dienstag bis Sonntag, 11- 18 Uhr, Katalog: 29 Euro, https://www.belvedere.at/maja-vukoje)

Quelle: Agenturen