Antisemitismus auf documenta: Jüdin will Schmerzensgeld
Anlass ist das auf der Weltkunstausstellung im Jahr 2022 ausgestellte Werk "People's Justice" des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi. Die großflächige Banner-Installation wurde kurz nach Beginn der documenta wegen antisemitischer Bildsprache zunächst verhüllt und später abgehängt. Zuvor war heftige öffentliche Kritik laut geworden an dem Werk, auf dem unter anderem ein Soldat mit Schweinsgesicht zu sehen war, der ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift "Mossad" trägt - die Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes.
Die Klägerin, eine 77-jährige Jüdin aus dem niedersächsischen Laatzen, argumentierte, die documenta gGmbH hätte als Verantwortliche für die Kunstausstellung das Kunstwerk nicht öffentlich darstellen dürfen. Bei der Verhandlung erklärte sich die Klägerin zu einem Vergleich bereit. Bedingung sei, dass die Gesellschaft ihr Bedauern gegenüber ihr und dem jüdischen Volk ausdrücke und einen symbolischen Betrag von 250 Euro an eine jüdische Gemeinde zahle, führte ihr Anwalt aus.
documenta will rechtliche Klärung
Die documenta gGmbH lehnte das ab. Man habe seit Beginn des Rechtsstreits Bedauern ausgedrückt und die Betroffenheit der Klägerin anerkannt, erklärten die Justiziare der Gesellschaft. So sehr man ihr Anliegen respektiere, teile man es aber auf rechtlicher Ebene nicht. Eine Entscheidung kündigte das Amtsgericht für den 15. April an.
Die Klägerin zeigte sich nach der Verhandlung tief bewegt. Die Bilder auf dem Banner hätten sie sehr bewegt, sagte sie. "Sie haben wieder spüren lassen, dass es wieder so weit ist. Man kann in Deutschland gegen Juden öffentlich hetzen." Sie habe fast ihre gesamte Familie in Auschwitz verloren, sagte sie unter Tränen. Durch die Darstellungen sei sie tief in ihrer Persönlichkeit verletzt.
Zusammenfassung
- Eine 77-jährige Jüdin fordert nach dem Antisemitismusskandal der documenta fifteen 1.500 Euro Schmerzensgeld von der documenta und Museum Fridericianum gGmbH wegen antijüdischer Beleidigung durch das 2022 ausgestellte Werk 'People's Justice'.
- Eine Entscheidung des Gerichts wird für den 15. April erwartet, nachdem die Klägerin schilderte, sie habe fast ihre gesamte Familie in Auschwitz verloren und sei durch die Banner-Darstellungen tief verletzt worden.
