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Anne Jurens langatmige "Sinnesübertragung" bei ImPulsTanz

29. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Es ist heiß in der "Dunkelkammer" unter dem Dach des Volkstheaters. Und so ist es sehr willkommen, dass ImPulsTanz-Mitarbeiter am Eingang feuchte Handtücher an das Publikum ausgeben - wie auf Langstreckenflügen, nur kalt statt heiß. Wenig später wird man wissen: Auch das ist Teil jener kollektiven Erfahrung, zu der die französische Choreografin Anne Juren die Zuschauer im Rahmen ihrer Performance "Sensorial Transference" einlädt. Am Donnerstag war Premiere.

"In ihrer Arbeit versucht Juren, die kontextuellen Grenzen des Begriffs Choreografie zu erweitern, indem sie den Körper in verschiedene Zustände physischer, sensorischer und poetischer Erfahrung einbezieht und die Möglichkeiten der Begegnung reflektiert", heißt es im Programmheft. Manche mögen sich etwa an ihre Performance "The Point" aus dem Jahr 2015 erinnern, als das Publikum im Belvedere21 auf Matten lag und Juren eine Art sehr intimes autogenes Training veranstaltete. Diesmal darf man sitzen bleiben - auch wenn sich vereinzelte Besucher am Rand der Bühne auf den Boden legten, der unter Plexiglas mit theoretischen Schriften und Bildern der Künstlerin gepflastert ist.

Im Zentrum dieser "Sinnesübertragung" steht die nicht anwesende Katharina, die über Bauchschmerzen klagt. Diese gilt es, im Zuge der Performance zu lindern. Mithilfe einer Assistentin, die auf einer Liege Platz nimmt, ruft Juren im Laufe der 50-minütigen Session dazu auf, in diesen Bauch hineinzuspüren, während sie selbst am Kopfende die Hände auflegt. Und so erfährt man, was in so einem Bauch alles vor sich geht: Leber, Darm, Bauchspeicheldrüse und "Millionen und Millionen und Millionen von Bakterien". Das alles gilt es mittels bewusster Wahrnehmung wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Nicht nur die Assistentin, die ihre Hände auf dem Bauch platziert, sondern auch das Publikum ist eingeladen, mitzuspüren.

"Der Vorgang findet in erster Linie in und zwischen den Körpern statt und ist immer dialogisch", erfährt man im Programm. "Er bezieht sowohl meine Stimme als auch die Stimmen anderer ein; innere Stimmen, den Klang von Objekten, haptische Berührungen und die Berührung von Sprache, die in den Körper eindringt." Neben Jurens Stimme ist das etwa das Rascheln eines riesigen Knäuels aus Videobändern oder das Schütten von Reis von einem Gefäß in ein anderes. Am Ende dieser langatmigen Performance sind idealerweise alle Bäuche im Raum miteinander verbunden. Und die abwesende Katharina kann aufatmen.

(S E R V I C E - ImPulsTanz: "Sensorial Transference" von Anne Juren in der Dunkelkammer/Volkstheater. Weitere Termine: 30. und 31. Juli sowie am 1. August. Infos und Tickets unter www.impulstanz.at)

Quelle: Agenturen