Anders sang in Wien Modern Talking mit seinem jungen Selbst
"Die Männer haben wir irgendwohin geschickt", verkündete eine Besucherin vor Beginn von "Thomas Anders sings Modern Talking". "Da samma richtig", betonte eine andere und strebte den Verkaufsstand an. Dort konnte man zwischen drei T-Shirt-Varianten wählen, zwischen den Aufdrucken "Cheri, Cheri Lady", "Brother Louie" und "Thomas Anders - Gentleman of Music". Für fünf Euro stand außerdem ein blinkender Blumenhaarkranz im Angebot. In der Halle selbst wurde schnell klar: Ein großer Teil des Publikums kam aus Nachbarländern, und nicht alle Männer wurden weggeschickt.
Statt eines Support-Acts musste man sich zum Vorglühen mit einem Videoclip begnügen, bis jenes markante Disco-Synthie-Flimmern ertönte, das in den 80er-Jahren vermutlich ebenso viel Freude wie Abneigung hervorrufen konnte: Anders startet mit "You're My Heart, You're My Soul", dem ersten Modern-Talking-Hit, eine Show, die nicht immer zündete wie die Pyrotechnik beim Opener, und Fragen offen ließ, was da alles tatsächlich live geboten wurde. "Heute nehme ich euch mit zurück", kündigte der Sänger, Produzent und Fernsehmoderator mit bürgerlichem Namen Bernd Weidung eine "Zeitreise in die 80er" an.
Es war, abgesehen von einem fürchterlichen Medley an Hits von Whitney Houston über Wham! bis Michael Jackson, in erster Linie eine Zeitreise durch Modern Talking. Die großen Erfolge wie "You Can Win If You Want", "Geronimo's Cadillac" (Anders: "Er war ein Indianerhäuptling. Aber das darf man heute nicht mehr sagen.") sowie im Zugabenteil "Brother Louie" und "Cheri, Cheri Lady" wurden abgefeiert. Bei weniger bekannten Songs kühlte die Begeisterung der Besucherinnen und Besucher merklich ab - da konnte Anders noch enthusiastisch von der damaligen Zeit schwärmen. Eine 20-minütige Pause trug auch nicht gerade zur Stimmungssteigerung bei.
Aber mit pumpenden, einander stark ähnelnden Discobeats ("Jet Airliner", "Sexy, Sexy Lover") gelang es dem Deutschen, flankiert von einer vierköpfigen Band und einer Sängerin, aufgeteilt links und rechts einer Showtreppe, doch immer wieder jene Fans, die nicht pausenlos mit dem Handy filmten, zum Tanzen und Mitsingen zu animieren. Das gut gemeinte, allerdings furchtbar schnulzige "Give Me Peace On Earth" (Anders: "Es macht mich traurig, dass dieser Song an nichts verloren hat, wofür er steht.") verdeutlichte, dass Balladen nicht gerade die Stärke von Modern Talking waren.
Glittersakko und Lederjacke
Das Publikum soll in eine "bunte 80er-Welt" eintauchen, hatte Anders in einem APA-Interview zur Promotion der Tournee und seiner Neuaufnahme sämtlicher Modern-Talking-Alben angekündigt. Dramaturgisch beschränkte sich das auf Videos mit einem grinsend singenden KI-Langhaar-Thomas, Sprüchen wie "Hattet ihr einen Walkman, man konnte damit überall Musik mitnehmen?", Massenkaraoke mit nie wirklicher Massenbeteiligung (Textzeilen wurden mitunter auf dem Screen eingeblendet), dem Wechsel vom Glittersakko in eine Lederjacke und der Aufgabe für einen Fan, einen Zauberwürfel in 90 Sekunden zu meistern (Marina schaffte es nicht, bekam aber ihr gewünschtes Busserl). Die 80er hatten zum Glück viel mehr zu bieten!
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E - www.thomas-anders.com )
Zusammenfassung
- Rund 2.000 Fans erlebten in Wien ein Modern-Talking-Konzert von Thomas Anders, der 40 Jahre Bandgeschichte ohne Dieter Bohlen feierte und dabei mit einem KI-generierten Abbild seines jüngeren Selbst auf der Videowall sang.
- Die Show bot zahlreiche Hits wie "You're My Heart, You're My Soul", "Brother Louie" und "Cheri, Cheri Lady", während weniger bekannte Lieder und eine 20-minütige Pause die Begeisterung dämpften.
- Merchandising-Artikel wie T-Shirts mit Songtiteln, ein fünf Euro teurer blinkender Blumenhaarkranz und kleine Showeinlagen wie ein Zauberwürfel-Spiel rundeten das Konzert ab.
