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Hermann Nitsch ist verstorben

19. Apr. 2022 · Lesedauer 3 min

Der Aktionskünstler Hermann Nitsch ist im Krankenhaus von Mistelbach nach schwerer Krankheit im Alter von 83 Jahren gestorben. Er gilt als Begründer des Wiener Aktionismus.

Wie der ORF Niederösterreich am Dienstag auf seiner Internetseite berichtet, ist der Aktionskünstler Hermann Nitsch im Alter von 83 Jahren verstorben. Nitsch gilt als einer der bekanntesten aber auch als einer der umstrittensten Künstler in Österreich - seinen Aktionismus wurde unter anderem als gotteslästerliches Spektakel kritisiert.

Er sei "sehr friedlich" eingeschlafen, so seine Frau Rita Nitsch. Die ersten beiden Tage des im Vorjahr coronabedingt abgesagten 6-Tage-Spiels werden am 30. und 31. Juli dennoch stattfinden. "Das haben wir ihm versprochen."

Auseinandersetzung mit der Kirche

Der Künstler wurde 29. August 1938 in Wien geboren. Seine Kindheit war geprägt vom Zweiten Krieg. Nitschs Vater ist im Krieg gefallen, er wurde nur von seiner Mutter großgezogen. Der Künstler meinte einst selbst über diese Zeit: "Ich habe in diesem Alter schon wirklich Todesangst gehabt und begriffen, was es heißt zu sterben, die Wohnung zu verlieren und kein Zuhause zu haben. Ich glaube schon, dass diese dramatische Situation etwas bei mir hinterlassen hat".

Später besuchte Nitsch in die Grafische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Schon hier drehten sich seine ersten Arbeiten um religiösen Themen. Eigentlich wollte Nitsch sogar Kirchenmahler werden. Ungefähr zur selben Zeit entstand auch die Idee für das Orgien-Mysterien-Theater.  Nitsch war bekannt für seinen allumfassenden Ansatz Text, Musik, Malerei und Performance gesamthaft zu verknüpfen. 

Hermann Nitsch: "Wurde leider sehr angefeindet. Des g'heat dazua"

Wiener Aktionismus 

In den 1960ern wurde er zum Mitbegründer des Wiener Aktionismus. Deswegen kam es auch zu harscher Kritik, Anfeindungen und Inhaftierungen. Diese haben Nitsch auch dazu veranlasst nach Deutschland zu ziehen.

Während die Öffentlichkeit in Österreich zum Teil mit Unverständnis auf seine Arbeiten reagierte, kam es zu ersten größeren Erfolgen im Ausland. So nahm er an der documenta in Kassel teil und stellte in New York und London aus.

Kogler: Einer "der prägendsten Künstler:innen"

Beileidswünsche kamen unter anderem von Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), der Nitsch in einem Doppel-Tweet als Künstler ehrte. "Er hat mit enormer Willens- und Schaffenskraft sowie großartigem Eigensinn tief in die menschliche Existenz geschaut", so Kogler. Nitsch habe "Irritierendes und Verstörendes zutage gefördert und dabei doch fröhlich und sinnlich das Leben zelebriert". Die Kultursprecherin der Grünen, Eva Blimlinger, bezeichnete den Verstorbenen als einen der bekanntesten, wenn nicht den bekanntesten Vertreter des Wiener Aktionismus. "Er war nicht nur in seinen eigenen Augen, sondern auch in denen von uns Rezipientinnen und Rezipienten mehr als nur ein Maler. Nitsch war ein Gesamtkünstler zwischen Aktionismus, Ritus, Mysterium und Literatur."

Die wichtigsten Auszeichnungen 

1984 Österreichischer Kunstpreis für bildende Kunst
1988 Preis der Stadt Wien für bildende Kunst
2005 Goldene Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien
2005 Österreichischer Staatspreis für bildende Kunst
2006 Spezialpreis Coppa Damini des 25. Asolo Art Film Festivals
2009 Ehrenbürger der Stadt Progadec, Albanien

Quelle: Agenturen / Redaktion / foj/lam