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33. Festival Wien Modern vor dem Start

15. Okt 2020 · Lesedauer 4 min

Eine ziemlich runde Sache: Die 33. Ausgabe des Festivals Wien Modern kann mit 33 Spielstätten in neun Wiener Gemeindebezirken aufwarten. An 32 Spieltagen von 29. Oktober bis 29. November gibt es 104 Veranstaltungen mit 50 Produktions- und Koproduktionspartnern, 44 neuen Produktionen und 85 Ur- und Erstaufführungen. Das sind die Zahlen, die am Donnerstag bekannt gegeben wurden. Die "Stimmung" (so das Festivalmotto) will man sich von Corona nicht verderben lassen.

Beim Pressetermin war die Stimmung zunächst allerdings frostig. Das lag an einer Eisschallplatte, auf der die Bildende Künstlerin, Instrumentenbauerin und Komponistin Claudia Märzendorfer eine Aufnahme von Klaus Lang eingefroren hatte - ein Vorgeschmack auf das Projekt "Instrument Modern", bei dem am 7. und 8. November zu einem Rundgang durch 12 Instrumentenbauateliers in sieben Bezirke geladen wird. "Mir gefällt's sehr gut", meinte Lang dazu. Der Komponist und Organist steht im Mittelpunkt mehrerer Aufführungen, darunter ein Konzert für Orgel und Großes Orchester mit den Wiener Symphonikern im Stephansdom (19. November), bei dem das Orchester im gotischen Kirchenraum verteilt sein wird.

Eines der vielen Specials findet am 9. November im Reaktor statt: Junge Leute spielen junge Musik. "Wir versuchen immer, Stücke zu spielen, die ein bisschen anders funktionieren", erklärte Cordula Bösze, Organisatorin und Dramaturgin der 2009 gegründeten Reihe "Junge Musik", bei der mit der Internationalen Gesellschaft für neue Musik (IGNM) und der Musikschule Wien kooperiert wird. "Es geht darum, dass junge Leute in Kontakt kommen mit denen, die Neue Musik schreiben."

Matthias Kranebitter, Erste Bank Kompositionspreisträger 2020, experimentiert in seinem 20-minütigen Stück "Encyclopedia of pitch and deviation" (am 18. November im Mozart-Saal des Konzerthauses) mit Tonhöhen, von der Resonanztonhöhe der Erdoberfläche über den Waschmaschinenschleudergang bis zum Zahnarztbohrer, und setzt sie in Bezug zu einander. "Es ist aber nicht so wissenschaftlich, wie es klingt", beruhigte der Wiener.

Das Eröffnungskonzert bestreiten das RSO Wien und Violonistin Tabea Zimmermann am 30. Oktober im Wiener Konzerthaus. "Ich habe acht Monate lang nicht musiziert", sagte Dirigent Leo Hussain, der das Thema Stimmung vor allem auch auf die psychologische Vorbereitung vor einem Konzert bezog: "Dass wir alle zusammenkommen und nicht bloß streamen, ist gerade zum Anfang des Festivals eine wichtige Botschaft!"

Häufig wird der herkömmliche Konzertsaal verlassen. Man habe mit "diesen unglaublich vielfältigen Formaten, die über das Konzert hinausgehen", lange geglaubt, der Pandemiesituation besonders gerecht zu werden, erklärte Bernhard Günther, der künstlerische Leiter von Wien Modern. So bespielt man etwa das Kunsthistorische Museum am 28. November mit einem Projekt von Georg Friedrich Haas und das Naturhistorische Museum u.a. mit "Anschwellen -Abschwellen. Eine Performance-Apparatur" von Volkmar Klien im Rahmen von "The Acousmatic Project: From Outer Space" (24. November). "Die Museen waren ja die ersten, die nach dem Lockdown wieder aufsperren durften", so Günther.

Abstand halten ist dabei allerdings nicht immer leicht. Im mumok gestaltet Klien für "Im Sattel der Zeit" (12. bis 15. November) "ein Labyrinth aus Papierwänden", die als Lautsprechermembranen fungieren und von fünf Musikern mit Messern zunehmend in eine "ruinöse Landschaft, eine Papierwüste", verwandelt werden. Die Umsetzung erweist sich angesichts ständig sich ändernder Vorschriften als schwierig. "Wie könnten alle in Schutzanzügen gehen", schlug Klien vor, während Festivalchef Günther darauf verwies, dass man "unglaublich viele Schnelltests angeschafft" habe und auch deren Einsatz infrage käme. In Zeiten wie diesen müsse sich ein Konzertveranstalter als Hobbyvirologe betätigen, schilderte er und zeigte sich "überzeugt, dass wir eine Lösung dafür finden werden".

Man hätte es sich einfach machen und das Festival einfach absagen können, stattdessen aber "einen unglaublichen Aufwand hinter den Kulissen getrieben", sagte Bernhard Günther. "Man braucht Nervenstärke, aber sie ist vorhanden. Wir handeln seit Monaten nach der Devise: Lieber modifizieren als absagen", nahm er Bezug auf zuletzt stark steigende Infektionszahlen und ungewisse kommende Maßnahmen. Man habe viele Szenarien in petto, mit denen man reagieren könne. Verglichen mit anderen Situationen des täglichen Lebens sei man aber bei Wien Modern sicher: "Gehe Sie ins Konzert, wenn Sie nicht angesteckt werden wollen!"

(S E R V I C E - www.wienmodern.at)

Quelle: Agenturen