APA/Taschen Verlag

20 Kilo Horror: "Stanley Kubrick's The Shining"

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"Ich möchte den gruseligsten Film der Welt drehen." Das sagte der damals 38-jährige Regisseur Stanley Kubrick 1966 im Gespräch mit einem Freund. In Stephen Kings Roman "The Shining" fand er schließlich den passenden Stoff, 1980 kam Kubricks cineastische Adaption in die Kinos. Die Geschichte des Horrorklassikers haben Lee Unkrich und J. W. Rinzler, zwei absolute Experten den Stoff betreffend, für das kunstvoll designte Luxusbuch "Stanley Kubrick's The Shining" aufbereitet.

"Meine Lieblingsregisseure sind jene, die sich nicht selbst wiederholen", schreibt Steven Spielberg im Vorwort zum mehr als 20 Kilo schweren Prachtband. "Es braucht einiges an Mut, Erfolgsterrain zu verlassen und in ein unvertrautes Genre zu wechseln." Genau das tat Kubrick in seiner 13 Filme umfassenden Karriere und setzte dabei Meilensteine. Über seinen Zugang zu "The Shining" sagt sein Kollege und Bewunderer Spielberg: "Stanley hat sich die Regeln des Horrors vorgenommen und sie auf den Kopf gestellt."

"The Shining" war laut Spielbergs Meinung der erste in helles Licht getauchte Gruselfilm. In seinem Film gebe es keine knarrenden Türen, keine Gerippe, auch keine überlange Schatten oder andere melodramatische Horroreffekte, sagte Kubrick in einem viel zitierten Interview mit der Zeitschrift "Cinema", das auch in Wikipedia Eingang gefunden hat. "Der Film erzählt ganz einfach die Geschichte einer Familie, die langsam dem Wahnsinn verfällt."

Viel Wissenswertes und unzählige visuelle Schätze haben die Macher von "Stanley Kubrick's The Shining" auf mehr als 2.000 Seiten zusammengetragen. Mit dem oscarprämierten Regisseur Unkrich fungiert der laut "The Hollywood Reporter" "führende Shining-Kenner" als Herausgeber, der ausführliche Textbeitrag stammt von Filmhistoriker und Bestsellerautor J. W. Rinzler. Zwei Bände umfassen Hunderte von bisher unveröffentlichten Set- und Backstagefotografien, seltene Dokumente, Kubricks private Korrespondenz sowie Szenenbildentwürfe aus dem Stanley Kubrick Archive und den Privatarchiven der Darsteller und der Crew. Darüber hinaus enthält die Box ein Set mit Faksimiles.

In der Aufarbeitung zeichnen Unkrich und Rinzler zunächst Kubricks Karriere bis "The Shining" nach und beschäftigen sich dann mit der Vorgeschichte des Drehs - wie Kubrick sein Meisterwerk entwickelte, wie er sich von der strengen literarischen Vorlage entfernte und wie er Diane Johnson als Drehbuchautor dazu holte, weil er nicht auf einem frühen Scriptentwurf von King selbst aufbauen wollte. Handschriftliche Notizen, Skizzen und Fotos unterstreichen den in die Tiefe gehenden Text. Detailverliebte Fans kommen ganz besonders auf ihre Kosten, wenn Rinzler schließlich die Dreharbeiten teilweise minutiös aufrollt.

Man erfährt sogar, wann Hauptdarsteller Jack Nicholson zum Frust des Regisseurs zu spät zum Dreh erschien und welche Statisten deswegen warten mussten (zwei Gärtner und vier Wartungsarbeiter). Letztlich ist "Stanley Kubrick's The Shining" ein allumfassender Einblick in die Entstehung und das Vermächtnis eines Klassikers - bis zur Postproduction, wobei Standbilder, Drehorte und Memoribilia ebenso als Textergänzung dienen wie Parodien der Zeitschrift "Mad". Interviews und Kommentare erläutern den Entstehungsprozess, jede markante Szene im Film hat im Buch ein Making-of. Limitiert ist die Collector's Edition auf 1.000 Stück, für die man dann auch sehr Tief in die Tasche greifen muss. Eine kostengünstigere Ausgabe folgt vermutlich erst 2024.

Service: Lee Unkrich und J. W. Rinzler: "Stanley Kubrick's The Shining", Collector's Edition, Taschen Verlag, Box mit zwei Bänden und einem Ephemera-Set mit Faksimilereproduktionen und originalen Artworkbüchern, 2.198 Seiten, 1.500 Euro

ribbon Zusammenfassung
  • "Ich möchte den gruseligsten Film der Welt drehen."
  • Das sagte der damals 38-jährige Regisseur Stanley Kubrick 1966 im Gespräch mit einem Freund.
  • In Stephen Kings Roman "The Shining" fand er schließlich den passenden Stoff, 1980 kam Kubricks cineastische Adaption in die Kinos.
  • Über seinen Zugang zu "The Shining" sagt sein Kollege und Bewunderer Spielberg: "Stanley hat sich die Regeln des Horrors vorgenommen und sie auf den Kopf gestellt."