Ursula Röck

Kommentar: Schwedischer Weg ohne Eigenverantwortung

20. März 2021 · Lesedauer 2 min

Am Montag will die Regierung neue Maßnahmen verkünden. Die von der Pandemie ausgelaugte Bevölkerung darf sich keine Lockerungen erwarten, benötigt aber dringend eine Perspektive.

Am Montag will die Regierung neue Maßnahmen bekanntgeben. Angesichts der steigenden Zahlen und der teilweise überlasteten Intensivstationen wird es wohl zu keinen Lockerungen kommen. Ein kompletter landesweiter Lockdown, wie von vielen Experten gefordert, dürfte allerdings ausgeschlossen sein. Die Koalition, selbst in dieser Frage uneins, wird künftig auf regionale Verschärfungen setzen und sich vielleicht darauf einigen, dass man die Osterferien um eine Woche verlängert. Alles andere wäre im Moment auch nur mehr schwer durchsetzbar.

Die Regierung muss sich schon länger in Selbsterkenntnis üben, dass sie das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger in ihre Corona-Politik überstrapaziert. Bei vielen Menschen schlägt die Corona-Müdigkeit mittlerweile in eine Corona-Trotzigkeit um. Regeln und Maßnahmen werden immer weniger verstanden, und dementsprechend auch immer weniger eingehalten.

Zwar nutzt man die Testangebote und trägt öffentlich Maske, in vielen Regionen, vor allem in ländlichen Bereichen, geht man aber längst den schwedischen Weg, allerdings ohne Eigenverantwortung. Das zeigen die vielen landesweiten Cluster mit sehr hohen Fallzahlen. Dass sich die Regierung alleine mit der Verhängung regionaler Maßnahmen plus der Wette, dass nach Ostern ausreichend Impfstoff für eine Entspannung da sein wird, durch die dritte Corona-Welle hanteln wird können, wird wohl eher zum Hasardspiel. Ohne, dass die breite Bevölkerung sich wieder strenger an die Regeln hält, wird das nur schwer gelingen.

Dafür fehlt allerdings die individuelle Perspektive. Und das könnten zumindest exakt definierte Impftermine bis zum Sommer für alle jene sein, die sich impfen lassen möchten. Wer heute schon weiß, wann er oder sie ungefähr dran sein wird, wird wohl weniger Risiko eingehen und sich penibler an die Maßnahmen halten. Während in anderen europäischen Ländern Impftermine schon seit Monaten bekannt und auf den Tag vergeben wurden, stößt hierzulande das föderale Impfmanagement teilweise allerdings schon jetzt an seine Grenzen. Die Pannen häufen sich. Und das bei völlig überschaubar verfügbaren Dosen.

Der Verdacht dürfte deshalb nicht unbegründet sein, dass einige Bundesländer bei ausreichenden verfügbarem Impfstoff, also bei Eintritt des viel zitierten Ketschup-Effekts, heillos überfordert sind und die Massenimpfungen nicht managen werden können. Das ist zwar kein schöner Gedanke am Weg zur Normalität, die bis zum Sommer versprochen wurde, aber momentan leider kein unbegründeter.

Stefan KaltenbrunnerQuelle: Redaktion / sk