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WHO will mehr Zusammenarbeit: Affenpocken "echtes Risiko" für Europa

15. Juni 2022 · Lesedauer 2 min

Europa bleibt mit 85 Prozent aller Fälle das Epizentrum des immer größer werdenden Affenpocken-Ausbruchs. Das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation WHO will deshalb dringend gemeinsame Anstrengungen und eine gerechte Verteilung des Impfstoffs.

Affenpocken wurden in Europa in 25 Ländern mit mehr als 1.500 Fällen nachgewiesen und gemeldet, sagte Hans Henri Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, am Mittwoch. Das seien etwa 85 Prozent der weltweiten Gesamtzahl.

"Das Ausmaß dieses Ausbruchs stellt ein echtes Risiko dar; je länger das Virus zirkuliert, desto größer wird seine Reichweite und desto stärker wird die Krankheit in nicht-endemischen Ländern Fuß fassen." Damit meinte er Länder, in denen das Virus bis Mai dieses Jahres nicht oder nur selten aufgetreten war.

Übertragung durch Sex oder längeren Face-to-Face Kontakt

Zu den Wegen, auf denen das Virus übertragen werden kann, gehören enger Körperkontakt, etwa beim Sex, und längerer Face-to-Face-Kontakt. Letzteres kann zum Beispiel eine Infektion über Tröpfchen sein. In Österreich waren bisher vier Fälle bekannt, in Deutschland spricht das Robert Koch-Institut (RKI) mit Stand Mittwoch von 263 bestätigten Fällen.

Prides für Aufklärung über Krankheit nützen

Das Virus nutze die Gelegenheiten zur Ausbreitung, es sei nicht per se mit einer bestimmten Gruppe verbunden, sagte Kluge. Bisher sei die Erkrankung in Europa jedoch hauptsächlich bei Männern, die gleichgeschlechtlichen Sex haben, nachgewiesen worden. Dennoch sei der Ausbruch kein Grund, etwa geplante Pride-Veranstaltungen abzusagen, sagte Kluge. Der Sommer mit zahlreichen Events und Festivals sei vielmehr eine Gelegenheit, Teilnehmer mit Informationen über die Krankheit zu erreichen.

Steve Taylor, Direktor der European Pride Organisers Association, unterstrich in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Kluge und mit Blick auf rund 750 geplante Pride-Events die Zusammenarbeit mit der WHO. Man wolle mit Fakten darauf hinwirken, dass die Menschen sich, ihre Liebsten und ihre Community schützen könnten.

Corona-Fehler nicht wiederholen

Um den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen, müssten Regierungen, Gesundheitsorganisationen und Zivilgesellschaften dringend gemeinsam handeln, sagte Kluge. Die Fehler der Covid-19-Pandemie, etwa der Egoismus vieler Länder im Umgang mit Impfstoffen, dürften nicht wiederholt werden.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam