Warum Antikörper-Tests nicht aussagekräftig sind

03. Nov 2021 · Lesedauer 2 min

Virologe Lukas Weseslindtner empfiehlt jedem, sich eine Booster-Impfung verabreichen zu lassen. Auch wenn ein Antikörpertest einen hohen Wert ergebe, solle man sich darauf nicht verlassen.

Die Schutzwirkung der Corona-Impfung lässt mit der Zeit nach. Deshalb wurde bei Älteren oder Menschen mit schwachem Immunsystem schon seit längerem eine Auffrischung empfohlen. Bisher hieß es, dass der Großteil der Bevölkerung sich nach neun bis zwölf Monaten um einen Booster kümmern sollte. Diese Zeitspanne wurde nun auf sechs Monate reduziert. Wien und Vorarlberg bieten schon seit Dienstag Impftermine für den 3. Stich an. Am Dienstagabend kam dann auch die Empfehlung des Nationalen Impfgremiums (NIG) und damit der Regierung für alle über 18.

Dritte Impfung macht "immer Sinn"

"Die Schutzrate in der Bevölkerung ist sehr unterschiedlich verteilt", erklärt Virologe Lukas Weseslindtner von der MedUni Wien im PULS 24 Interview. Es sei sehr schwer zu sagen, wie gut die Wirkung beim Einzelnen noch sei, denn die Impftermine liegen unterschiedlich lang zurück. Die dritte Impfung mache aber "immer Sinn", um den Schutz zu erhöhen.

Impfung egal - Hauptsache mRNA

Verimpft werden ausschließlich mRNA-Impfstoffe (Biontech/Pfizer und Moderna). "Wenn Sie mit einem Vektorimpfstoff weiter auffrischen werden auch Antikörper gegen diesen Virus-Vektor gebildet", erklärt der Experte. Die Wirkung der Impfung nehme also mit jeder Auffrischung ab.

Für welchen mRNA-Impfstoff man sich entscheide, sei aber egal, sagt Weseslindtner.

Das nationale Impfgremium (NIG) hat die dritte Corona-Impfung schon sechs Monate nach dem Zweitstich freigegeben.

Warum Antikörper-Tests nicht aussagekräftig sind

Auch wenn beim Antikörpertest ein hoher Wert gemessen werde, solle man sich einen Booster holen. Denn diese Tests "messen eine Mischung aus neutralisierenden und nicht-neutralisierenden Antikörpern". Das sei problematisch, denn die Information helfe nicht viel. Es komme auf die Menge der neutralisierenden Antikörper an. Sind viele Antikörper vorhanden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch die Menge der neutralisierenden ausreichend sei. Sei man aber einer hohen Virenlast ausgesetzt, könnten auch diese "abgesättigt" sein. Dann komme es zu einem milden Impfdurchbruch.

"Die Antikörpermessung mit herkömmlichen Tests macht es uns wahnsinnig schwierig" vorherzusagen wie hoch die Schutzwirkung sei und ob man eine 3. Impfung brauche, führt der Virologe aus. Deshalb werden die Tests auch nicht empfohlen. Bei einer astronomisch hohen Antikörperanzahl sei das nicht problematisch. Bei einer geringeren Anzahl allerdings schon.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam