Szekeres: "Wir haben 47.000 Ärzte, aber nicht genügend Impfstoff"

21. Juni 2021 · Lesedauer 3 min

Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, appellierte im Newsroom LIVE bei Moderatorin Sabine Loho an die Regierung, mehr Impfstoff zu kaufen.

Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer, appelliert an die Regierung, "möglich rasch, möglichst schnell" Impfstoff an den Weltmärkten einzukaufen. Denn laut Szekeres würden die Impfungen in Österreich nicht schnell genug voranschreiten. 30 Prozent haben schon zwei Impfungen bekommen, 70 Prozent aber nur einen Stich oder gar keinen. Um sich vor der Delta-Variante zu schützen, brauche man aber zwei Impfungen, so Szekeres: "Wir impfen mit dem Virus um die Wette". 

"Nicht ausreichend Impfstoff"

"Die Impfbereitschaft ist da, die Möglichkeit, schnell zu impfen ist da, wir haben 47.000 Ärzte, aber nicht ausreichend Impfstoff", sagt Szekeres. Er hält der Regierung vor, schon im vergangenen Sommer geglaubt zu haben, dass das Virus weg sei und nicht genügend Impfstoff gekauft zu haben. Nun solle die Regierung anders agieren, sagt Szekeres. Ungarn, Serbien oder Israel seien da ambitionierter. "Ich hoffe, dass es zu keinen Lockdowns mehr kommt", sagt Szekeres. Diese seien auch psychisch belastend.

Man müsse sich laut Szekeres außerdem darauf vorbereiten, die Impfstoffe rasch an resistente Virusvarianten anzupassen. Derzeit seien die Mutationen, wie auch etwa die Delta-Variante, ansteckender, es könnten aber auch welche kommen, gegen welche die Impfung nicht mehr helfen würden. Vor allem mRNA-Impfstoffe könnten leicht angepasst werden, so Szekeres. 

Niedergelassene Ärzte sollen Menschen "überzeugen"

Bei den Öffnungsschritten - Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kündigte auch an, die Maskenpflicht in den Öffis lockern zu wollen - wäre Szekeres gerne vorsichtiger. Derzeit seien die Infektionszahlen niedrig, aber beim Impfen seien wir nicht weit genug. Deshalb befürwortet er auch die Impfungen für Jugendliche, die dann etwa auch in der Nachtgastronomie sicher wären. Auch in den Schulen sei die Gefahr, das Virus weiterzuverbreiten, groß, sagt Szekeres. "Jeder, der zeitnahe geimpft werden kann, ist ein Vorteil", so Szekeres.

Szekeres wünscht sich, dass die niedergelassenen Ärzte mehr eingebunden werden, wenn es ums Impfen geht. Diese seien "näher bei den Menschen". Sie würden auch Menschen mit vielen Fragen überzeugen können. Vor allem Wien gebe den niedergelassenen Ärzten wenig Impfstoff, sagt Szekeres. In Wien setzt man vor allem auf die Impfstraßen. 

Einige Bundesländer haben sich dafür ausgesprochen, bei Gesundheitspersonal eine Impfpflicht einzuführen. "Bei Neueinstellung in Spitälern, ist das unbedingt notwendig", sagt auch Szekeres. Auch bisher würden dort schon andere Impfungen abgefragt werden. Eine "Impfpflicht durch die Hintertüre" sei das aber nicht. "Man muss auch nicht in einem Spital beschäftigt sein", so Szekeres.

Quelle: Redaktion / koa