Impf-Nachzügler Österreich: Mückstein für 1-G-Regel ab Oktober

17. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Nur der Balkan und Osteuropa sind noch langsamer, wenn es ums Impfen geht. Die Rufe nach Einschränkungen für Ungeimpfte werden lauter. Mückstein kann sich das ab Oktober vorstellen.

Österreich entwickelt sich zum Impfnachzügler. Neue Daten zeigen, dass die Impfrate in der EU zwar fast in allen Staaten über den Sommer eingebrochen ist, Österreich nun aber im EU-Vergleich unter den Durchschnitt gefallen ist. Im ersten Halbjahr war Österreich noch im Spitzenfeld dabei. 

Der EU-Schnitt liegt derzeit bei 62 Prozent der Bevölkerung, die entweder den Erststich erhalten haben oder schon zweimal geimpft wurden. In Österreich liegt die Impfquote bei 60 Prozent. In Führung ist derzeit Portugal mit 76 Prozent, Schlusslicht ist Bulgarien mit nur 16 Prozent. Langsamer wie Österreich sind damit nur noch die Länder am Balkan und in Osteuropa. 

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Vorbild Frankreich?

Andere Länder konnten ihre Impfraten mit strengeren Regeln steigern. Bis Mitte September muss sich etwa in Frankreich das gesamte Gesundheitspersonal verpflichtend impfen lassen. Nicht nur Freizeitaktivitäten, auch Fernzüge sind in Frankreich nur für Geimpfte, getestete oder Genesene zugänglich. "Wir werden massive Kontrollen durchführen", kündigte Jean-Baptiste Djebbari, der französische Transportminister, an. Vor allem in ländlichen Gebieten konnte Frankreich - zumindest zweitweise - so seiner Impfkampagne noch einmal einen Anstoß geben.

Ärztekammer für strengere Maßnahmen

Die Rufe nach strengeren Maßnahmen für Ungeimpfte werden nun aber auch in Österreich immer lauter. Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) forderte zuerst, Freizeitaktivitäten nur für Geimpfte öffnen zu wollen - notfalls im Alleingang Wiens. 

Zustimmung für den Vorstoß Wiens kam etwa aus Tirol, Kärnten und der Steiermark und nun auch von der Ärztekammer. Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres erklärte: "Was wir wissen ist, dass Menschen, die nicht geimpft sind, sich relativ leicht anstecken können, insbesondere  mit der Delta-Variante". Mann wisse auch, dass die Verbreitung der Delta-Variante hauptsächlich in Gruppen von Ungeimpften geschieht. Das zeige sich auch in der Altersverteilung der Infizierten - der Schnitt liege derzeit bei 30 Jahren. "Das heißt, es sind hauptsächlich die Jüngeren, die bis jetzt noch nicht so häufig geimpft sind, die sich anstecken", sagte Szekeres. 

Ärztekammer spricht sich für Einschränkungen für Ungeimpfte aus

Wenn die Impfquote nicht steige, sei es laut der Ärztekammer zu überlegen, nur noch vollständig geimpfte in Restaurants und Freizeitbetriebe wie Kinos und Museen zu lassen.

Mückstein: Ab Oktober 1-G-Regel möglich

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) hingegen sagte bis vor Kurzem noch, dass ihm diese Diskussion noch zu früh komme. Auch Vertreter der Gastronomie stehen der Forderung noch eher skeptisch gegenüber. Am Dienstagabend sagte Mückstein im ORF dann aber doch, dass er sich ab Oktober die 1-G-Regel vorstellen kann. "Ich glaube, dass wir – vor einer zunehmend prekärer werdenden Lage im Herbst – über 1G reden müssen. Ich kann mir das auch ab Oktober durchaus vorstellen", sagte Mückstein. Zuerst müsse aber jeder die Gelegenheit haben, sich noch impfen zu lassen.

Quelle: Redaktion / koa