Wien-Wahl: FPÖ verliert massiv

12. Okt 2020 · Lesedauer 2 min

Noch tiefer als erwartet ist am Sonntag die FPÖ bei der Wiener Gemeinderatswahl abgestürzt.

Die Abstrafung für "Ibiza" und die Folgen fiel auch noch viel massiver aus als bei den Landtagswahlen in der Steiermark und im Burgenland: In Wien brachen den Blauen nicht nur mehr als ein, sondern fast zwei Drittel der Wähler weg. Bei weitem nicht alle liefen zum früheren (auch Wiener) FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache über, viele der 2015er-Wählern blieben wohl zu Hause.

Mehr als 200.000 Wähler verloren

Mehr als 200.000 der bei der vorigen Wahl 256.451 Blau-Wähler verabschiedeten sich diesmal. Strache konnte mit laut Hochrechnung rund 25.000 Stimmen nur einen Bruchteil davon für sich gewinnen.

Dabei hatte sich die FPÖ mit ihm an der Spitze vor fünf Jahren in Wien noch das beste blaue Ergebnis aller Landtagswahlen außerhalb Kärntens - 30,8 Prozent - geholt. Jetzt ging nicht einmal der Wunsch seines Nachfolgers Dominik Nepp in Erfüllung, zumindest zweistellig zu bleiben - und zunächst war noch nicht klar, ob die Blauen (nach der Briefwahlauszählung) auf Platz 4 oder gar nur auf Platz 5 hinter NEOS landen. Dabei waren sie in Wien fünfmal seit 1991 (ausgenommen nur 2005) klar zweitstärkste Kraft. Und hatten 2015, weil sie mehr als ein Drittel der 100 Mandate eroberten, erstmals auch den Posten des Vizebürgermeisters bekommen. Den muss Nepp jetzt räumen.

 

Schwächste Landesgruppe

Parteiintern sind die lange Zeit tonangebenden Wiener Blauen jetzt eindeutig die schwächste Landesgruppe - nachdem sie 2015 in der vom Flüchtlingsthema dominierten Wahl sogar die starken Oberösterreicher noch knapp überholt hatten. Jetzt sind die Oberösterreicher - mit 30,4 Prozent - stärkste Landespartei; sie müssen sich im Herbst 2021 der Wahl stellen. Einstellig ist die FPÖ derzeit außer in Wien nur noch im Burgenland, wo heuer im Jänner gewählt wurde - aber mit 9,8 Prozent noch deutlich stärker als in der Bundeshauptstadt.

Ibiza

Seit Mai 2019, als Straches Ibiza-Eskapaden bekannt wurden, die türkis-blaue Bundesregierung zerbrach und die Freiheitlichen ihren bis dahin so erfolgreichen Chef und Vizekanzler verloren, hat die FPÖ bei allen Wahlen herbe Einbußen erlebt, aber noch nirgends so sehr wie bei der Wien-Wahl. Bei der Nationalratswahl 2019 war die FPÖ in Wien von 21,4 auf 12,8 Prozent abgestürzt. Im Burgenland ging sie im Jänner von ohnehin schwachen 15,0 auf 9,8 Prozent ein, in der Steiermark im November 2019 von 26,8 auf 17,5 Prozent.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe