"Anastasia"-Bewegung: Die antisemitische Sekte, die im Burgenland siedelt

23. Jan. 2023 · Lesedauer 2 min

Die sektenähnliche Anastasia-Bewegung praktiziert ein Selbstversorger-Leben, verbreitet aber auch rassistische und antisemitische Inhalte. Anhänger leben zurückgezogen im Südburgenland und produzieren Schokolade. Café PULS war undercover bei ihnen.

Die Anastasia-Sekte ist eine neuartige Bewegung, die sich auf die fiktive Protagonistin einer Buchreihe des russischen Schriftstellers Wladimir Megre bezieht. Anastasia soll demnach eine Einsiedlerin in der sibirischen Taiga sein und übernatürliche Kräfte besitzen. Die Buchreihe, die zwischen 1996 und 2010 erschien, enthält Anweisungen für ein Leben "im Einklang mit der Natur", vor allem aber antisemitische und rassistische Inhalte.

Die Anastasia-Bewegung sei eine Mischung aus Esoterik, Weltflucht und Verschwörungstheorie, sagt die Psychologin Ulrike Schiesser im Gespräch mit Café PULS. Die Anhänger würden an "gute und negative Energien" glauben, wobei das Schlechte dem "jüdischen Stamm Levi" zugeschrieben wird, erklärt der Journalist Michael Bonvalot.

Faschistische Weltanschauung

Nun hat sich die sektenähnliche Bewegung auch in Österreich angesiedelt. Mitglieder leben zurückgezogen auf einem Hof im Südburgenland und produzieren dort Schokolade, die allerdings nur "Fördermitglieder" kaufen können. Unter dem Vorwand, sich dafür zu interessieren, kam das Undercover-Team von Café PULS ins Gespräch mit zwei Anhängern.

Die Sektenmitglieder sprachen nicht über Selbstversorgung oder ökologische Landwirtschaft, sondern über Corona-Verschwörungen, faschistische Weltanschauungen und Antisemitismus. Einer der Anhänger erklärte seine rassistischen Ansichten: "Man sollte sich schon einmal anschauen, warum wir bei Tieren sagen, sie sind nicht mehr reinrassig, wenn da eine andere Rasse mal drauf war, und beim Menschen darf man nicht darüber reden."

Mitglieder finanzieren Bauprojekte

Potenzielle Geldgeber und Mitglieder werden auch durch neue Bauprojekte angelockt. Um diese Vorhaben zu finanzieren, verkaufen neue Anhänger ihr Hab und Gut oder sogar ihre Häuser, erklärt Schiesser. Diese Projekte seien aber oft nicht realistisch aufgebaut.

Eines dieser Projekte hätte im südburgenländischen Poppendorf entstehen sollen. Als eine Art "Familiensiedlung" geplant, wollten die Anhänger naturnahes Leben und Seminare zum "wahren Inhalt von Anastasia" anbieten. Das Projekt ist inzwischen gescheitert.

Valerie MazzucatoQuelle: Redaktion / vma